Woran erkenne ich faire und nachhaltige Mode?

geschrieben von Oksenklotz

Wir waren bei den wunderbaren Menschen von ARMEDANGELS, die nicht nur faire & ökologische sondern auch super stylische Mode produzieren! Schon seit elf Jahren arbeiten sie jeden Tag mit Freude und Engagement daran, uns zu zeigen, dass nachhaltige Materialien, faire Arbeitsbedingungen und gutes Produktdesign sich nicht ausschließen.
Das Label wird online, bei Retailern wie beispielsweise fairfitters, tausend fliegende Fische, green guerillas oder auch P & C verkauft, aber wir haben sie in ihrem geräumigen Büro in Ehrenfeld besucht, um uns selbst ein genaues Bild von ihrer Arbeit und den Hintergründen zu machen. Wenn du dich speziell für die Marke oder generell für Nachhaltigkeit und umweltbewusste Produktion interessierst, dann wird dir dieses Interview sicher gefallen! Wir haben uns bewusst auf die derzeitige Denim Kollektion fokussiert, aber ähnlich kann man das für fast alle Kleidungsstücke übernehmen.


Wieso habt ihr euch dafür entschieden, eine Denim Kollektion zu kreieren? 


Sara: Denim gab es bei uns schon lange, aber es lief eher immer so mit. Allerdings ist das wirklich kein einfaches Produkt, dem man viel Zeit widmen sollte, denn tatsächlich ist Denim mit die schmutzigste Produktion, die man in der Mode macht. Trotzdem hat eigentlich jeder mindestens eine Jeans in seinem Kleiderschrank, deshalb haben wir uns dazu entschieden, das Ganze mit unserem Mindset anzugehen und uns mehr Zeit zu nehmen, alle Produktionsschritte noch einmal aufzurollen. Mit dieser Kollektion wollten wir zeitlose Designs schaffen; Jeans, die man auch noch in ein paar Jahren gerne anziehen möchte und nicht beim nächsten neuen Trend wegschmeißt.


Inwiefern zählen Jeans zu den dreckigsten Produkten, die man herstellen kann?


Sara: Allein die Wasservermutzung für eine Denim ist enorm! Es sind ca. 8.000 Liter, die jedes Mal dabei verbraucht werden und fast 2 kg an Chemikalien, die für bestimmte Waschungen und Farben eingesetzt werden. Bei einer Produktion von 1,8 Milliarden Jeans die in einem Jahr produziert werden, sind das unfassbar hohe Mengen. Und das Schlimmste ist dabei, dass bei 17 von 21 Wasserproben aus einer Region in China, in der Jeans hergestellt werden, fünf giftige Schwermetalle nachgewiesen wurden. Von Pestiziden und Bleichmitteln gar nicht zu sprechen. Und das tragen viele direkt auf ihrer Haut. Wir wollen das verändern, anders angehen und richtig aufbauen! Deshalb gibt es unsere Kollektion DetoxDenim, bei der alle Inhaltsstoffe, Zulieferer und Hersteller, mit denen wir zusammenarbeiten, genau überprüft werden.

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Foto: Sara (links) und Laura von ARMEDANGELS

 

Manche könnte es vielleicht verwirren, dass eure Jeans nicht das "fairtrade"-Siegel haben. Was bedeutet das für das Produkt?

Sara: Die Jeans sind alle aus Bio Baumwolle und auch in diesem Bereich zertifiziert. Auch sind wir in der Fair Wear Foundation, die sich bei der Denim Kollektion um soziale Standards kümmert und alle Arbeitsbedingungen kontrolliert. Es darf beispielsweise natürlich keine Kinderarbeit herrschen, wir achten auf die Sicherheit aller Arbeiter wie Schutzkleidung etc, auf die Arbeitszeiten und natürlich eine faire Bezahlung, die über dem liegt, was man durchschschnittlich im jeweiligen Land zum Leben bräuchte. Es ist gar nicht so eifach, die passenden Hersteller zu finden, die diese Auflagen (gerne) erfüllen und sich den regelmäßigen Kontrollen unterziehen. Außerdem achten wir auf einen geringen Wasserverbrauch und darauf, dass keine oder wenn, dann unbedenkliche, ökologische Insektizide (damit die Bienen nicht aussterben) und Pestizide zum Einsatz kommen.
Nicht alle Produkte, die in allen Bereichen fair produziert wurden, müssen auch das "fairtrade"-Siegel haben - man kann sich auch super am GOTS-Siegel orientieren, das für die richtigen Standards bei der Produktion sorgt.

Darauf sollte man also achten, wenn man Kleidung kaufen möchte, die fair und nachhaltig produziert wurde?

Genau! Die GOTS (Global Organic Textile Standard) Kriterien sind unsere kleine Bibel die von der Pflanze bis zum Endprodukt beim Kosument bestimmt, wie wir produzieren dürfen. All unsere Kleidung hat dieses Siegel.

Wie siehst du die momentane Entwicklung zu mehr Bewusstsein in der Modeindustrie?

Sara: An sich ist das natürlich toll und es freut uns, dass immer mehr (meist kleine Labels) sich dazu entscheiden, bewusster zu produzieren. Allerdings stellen wir auch fest, dass es noch ein Trend zu sein scheint. Denn die Zahl der Bio Baumwolle, die verwendet wird, steigt, aber gleizeitig steigt auch die Produktion der konventionellen Baumwolle enorm. Also hat sich bei genauerem Hinsehen doch nicht so viel geändert wie es nach Außen scheint.

 

Und weil Tim und ich zwei neugierige Wesen sind, haben wir ein paar der Jeans gleich mal anprobiert um zu sehen, ob wir einen Unterschied entdecken. Ich sag euch ehrlich wie es ist: auf den ersten Blick gibt es keinen. Dadurch, dass große Marken sehr viel Chemie verwenden, dass sich Denim bei den ersten paar Malen gut auf der Haut anfühlen und auch erst nach dem dritten Waschgang anfangen, sich zu verändern, merkt man beim Anprobieren keinen Unterschied. Aber was anders ist, ist das Gefühl! Es tut gut zu wissen, dass man nicht nur seiner Haut sondern auch der Umwelt gerade etwas Gutes tut und ein Label unterstützt, das das Richtige tun möchte! Und wer denkt, fair und nachhaltig ist gleich teuer - falsch. ARMEDANGELS zum Beispiel ist nicht teurer als eine Markenjeans, eher sogar günstiger.

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