Berlin ist FLINTA* X SALIMATA
Stark nach dem Motto “08. März ist alle Tage” wollen wir euch in diesem neuen Format FLINTA* aus Berlin und ihre Arbeit vorstellen. Trommelwirbel für Salimata! Sie lebt seit ihrer Geburt in Berlin-Kreuzberg, ist DJ und organisiert Kunst- sowie Musik-Events.
Liebe Salimata, wir freuen uns sehr, dass wir dich in einem deiner Residence-Places im Studio 1111 besuchen dürfen. Wie führte dein Weg ins kreative Nachtleben?
Ich freu’ mich, dass ihr hier seid! Ich bin in Berlin geboren und aufgewachsen und weil ich schon lange viele Leute aus dem Nachtleben kenne, war ich irgendwie schon Teil davon, bevor ich überhaupt angefangen hab’, selbst Musik zu machen. Ich hab’ vorher nebenbei viel in Bars und Clubs gearbeitet, bei Events mitgeholfen und auch selbst ein paar mitorganisiert.
Neben deiner eigenen Veranstaltungsreihe GLAZED, die du zusammen mit einem Freund führst, hostet du hier alle sechs Wochen die Studio Night, die das nächste Mal am 10.05.25 stattfinden wird. Wie können wir uns deine Events vorstellen? Welches Erlebnis-Ziel verfolgst du für deine Gäste?
Meine Events kann man sich wie eine positive Reizüberflutung an kreativem Input vorstellen - egal, aus welchem Medium man seine Inspiration zieht. Ich überleg mir vorher sehr genau, welche Künstler:innen Teil des Abends sein sollen, um ein abwechslungsreiches Programm zu schaffen, das trotzdem stimmig und harmonisch bleibt. Oft versuche ich auch, Überschneidungen in den “Crowds” der Künstler:innen zu finden oder gezielt danach auszuwählen. Dadurch entsteht eine Synergie aus neuen und bekannten Gesichtern und mit der Zeit ein immer größeres Netzwerk.
Ich will, dass die Leute inspiriert nach Hause gehen und das kann durch die kleinste Sache passieren. Sei es das Outfit einer performenden Person, die Musik oder ein bestimmtes Kunstwerk.
Was hat dich dazu bewegt, diese Reihe zu starten?
Gestartet hab’ ich das Ganze, weil ich den Mix aus Kunst und Musik, besonders in dieser modernen Form, extrem inspirierend finde. Es gibt mir einen Raum, in dem ich mich komplett ausleben und super viele Ideen umsetzen kann. Vor allem wenn wir auch Performances produzieren, fühle ich mich zurückversetzt in die Zeit, als ich im Friedrichstadt-Palast getanzt habe. Ich liebe es einfach, gemeinsam mit talentierten Menschen eine neue kleine Stage zu kreieren. Und mir ist dabei super wichtig, einen Raum für BPoC und queere Menschen zu schaffen, ohne das explizit labeln zu müssen, sondern für selbstverständlich anzusehen.
Dein Sound in drei Worten?
Eclectic, rhythmic, powerful.
Was ist der Lieblingspart an deinen Jobs?
Dass jeder Tag unterschiedlich ist!
Wie können wir uns deinen Alltag vorstellen?
Wenig Routine. Was einerseits ein Blessing ist und es andererseits manchmal schwer macht, den Fokus zu behalten. Unter der Woche bin ich eigentlich nonstop am Musik hören, plane nebenbei Gigs oder bereite kommende Events vor. Sport mach’ ich auch super gerne, aber auch das nach Gefühl. Manchmal geh’ ich laufen, am liebsten mit neuen Tracks, manchmal spiele ich Tennis, geh’ ins Gym oder mache irgendeinen Kurs mit. Am Wochenende bin ich eigentlich immer auf Veranstaltungen, meistens zum Auflegen, sonst privat. Ich glaub, genau das liebe ich auch so an Berlin: Ich kann literally jede Sekunde neu entscheiden, worauf ich am Tag Bock hab und es ist so gut wie alles möglich.
Wie nimmst du den gegenseitigen Support in deiner Branche wahr?
Ich habe den gegenseitigen Support bis jetzt super gut wahrgenommen. Vor allem unter FLINTA* und BPoC, die versuchen, sich gegenseitig zu pushen oder für Gigs vorzuschlagen. Support von männlichen Kollegen wirkt jedoch oft noch eher plakativ, wenn man auf einem nur weißen männlichen Line-up die einzige schwarze Frau ist.
Was wünscht du dir für FLINTA*-Personen in deiner Branche?
Ich wünsche mir, dass wir nicht länger nur als Quote oder innerhalb bestimmter Kreise gesehen und geschätzt werden. Es sollte völlig selbstverständlich sein, ein Line-up ausschließlich mit FLINTA-DJs zu haben, ohne dass es extra betont oder als etwas Besonderes dargestellt werden muss.
Was repräsentiert der feministische Kampftag für dich?
Für mich ist der feministische Kampftag ein Symbol dafür, wie stark und sichtbar unsere Stimmen inzwischen sind, aber auch ein Zeichen dafür, wie viel im System noch immer schiefläuft. Allein die Tatsache, dass es diesen Tag braucht, zeigt, dass wir immer noch weit weg von Gleichberechtigung sind.
Was würdest du deinem jüngeren “Ich” gerne sagen?
Ich würde meinem jüngeren Ich sagen: Solange du dir selbst treu bleibst, kannst du nichts falsch machen.
Welche Tipps würdest du FLINTA*-Personen geben, die auch gerne ins DJing einsteigen würden?
Gerade als FLINTA*-Person in kreativen oder männerdominierten Bereichen wie dem DJing ist es super wichtig, sich aktiv Räume zu nehmen, auch wenn sie dir nicht sofort angeboten werden. Beweg dich so viel wie möglich in der Szene, in der du dich siehst. Geh auf Events, bei denen du gerne spielen würdest, connecte dich, folge anderen Künstler:innen und sei offen!
Vor- und Nachteile in Bezug auf Standort Berlin?
Vorteil ist auf jeden Fall, dass es in Berlin super viele verschiedene “Sub”-Musikszenen, Events und Künstler:innen gibt. Du kannst dir genau die Bubble aussuchen, in der du dich am ehesten wohl fühlst.
Der Nachteil ist aber gleichzeitig auch genau das. Es gibt so viel auf einmal, dass es gerade am Anfang gar nicht so easy ist, überhaupt reinzukommen oder den Überblick zu behalten. Aber da hilft echt nur: viel unterwegs sein, Leute kennenlernen und schauen, wo’s für einen passt.
Was hat sich über die Jahre verändert?
In der Club- und Veranstaltungs-Szene hat sich auf jeden Fall was verändert, vor allem seit Corona. Immer mehr junge Leute gründen ihre eigenen Kollektive und starten eigene Events. Dadurch verändert sich die Musik- und Clubkultur meiner Meinung nach sehr stark, aber vielleicht ist es genau das, was Berlin gerade braucht.
Was fehlt Berlin?
Veranstaltungslocations mit Charakter, die nicht entweder zu schick und seelenlos oder komplett heruntergekommen sind. Es gibt so viele Orte, die entweder perfekt und zu steril wirken sowieso super teuer sind oder abgefuckte Bunker und Holzschuppen, die keinen richtigen Charme mehr haben.
Was verbindest du mit deinem Kiez?
Sicherheit <3
Danke Salimata <3