Berlin ist FLINTA* X Sophia Novosel
Stark nach dem Motto “08. März ist alle Tage” wollen wir euch in diesem neuen Format FLINTA* aus Berlin und ihre Arbeit vorstellen.
Trommelwirbel für die Künstlerin Sophia Novosel. Sie arbeitet als bildende Malerin und lebt seit 5 Jahren in Berlin.
Liebe Sophia, wir freuen uns sehr, dass wir dich hier in deinem Studio besuchen dürfen. Wie kamst du zur Malerei und wann wurde aus Leidenschaft Beruf?
Ich freue mich auch sehr, dass ihr da seid! Ich habe früh mit Zeichnen begonnen und habe alles gekritzelt, was ich finden konnte. Mein erstes Portrait habe ich von meinem Opa gemalt, kurz nachdem er starb, da war ich ca 5 Jahre alt. Heute weiß ich, ich malte ihn um die Trauer zu bewältigen und das half so sehr, dass ich wusste, genau das möchte ich für immer und ständig machen. Ich habe also nie damit aufgehört doch zwischenzeitlich beruflich andere Wege eingeschlagen. Und als ich nach Berlin kam habe ich künstlerisch mein Thema und Ausdruck gefunden und den Mut es zu zeigen, das lief so gut, dass aus Leidenschaft Beruf wurde.
Was macht das Arbeiten in diesen Bereichen für dich besonders?
Ganz viel! Das freie, selbstbestimmte Arbeiten, das aus Gefühlen und Gedanken Bildnisse werden und in meinem Fall aus negativen Gefühlen eine positive Umkehr stattfindet, das hat für mich auch immer einen Heilungseffekt, und auch bei vielen meiner Betrachterinnen. Das macht mich sehr glücklich. Da ich Menschen auch sehr liebe und durch meine Arbeit viele tiefergehende Gespräche führen darf.
In deinen Werken dreht sich viel um Weiblichkeit, woher kommt das?
Meine Arbeit ist ein Spiegel meiner selbst. In der ich viele dunkle Erlebnisse verarbeitete, die oft im Kontext mit der Weiblichkeit standen. Und mein zwanghafter Wunsch nach Gleichberechtigung und Harmonie hat mich und meine Bilder feministisch gemacht. <3
Woher ziehst du deine Inspiration?
Meist entsteht diese plötzliche Inspiration aus einem Defizit, einer Situation in meinem Alltag, die mich als Frau diskriminiert. Das ist der Auslöser und die Zündung meiner Kreativität und meistens entstehen dadurch dann auch mehrere Werke.
Wie können wir uns deinen Alltag vorstellen?
Nächtliches Malen und Skizzieren und tagsüber die Welt mit meiner Tochter entdecken.
Wie nimmst du den gegenseitigen Support in der Branche wahr?
Sehr positiv! Die Szene wurde in den letzten Jahren sehr verändert durch viele autodidaktische Malerinnen, die die Spielregeln verändert und so die Branche geöffnet haben. Nun gibt es mehr Möglichkeiten, um Erfolg zu haben, als nur die Galerien alleine!
Was repräsentiert der “feministische Kampftag” für dich?
Für unsere Gleichberechtigung und Rechte zu kämpfen, setze ich für mich auch gleich mit einem Akt der Selbstliebe! Ein absolutes Muss!
Was wünscht du dir für FLINTA* (in deiner Branche)?
Wie in allen Branchen und Bereichen des Lebens: Gleichstellung!
Was würdest du deinem jüngeren “ICH” gerne sagen?
Alles wird sich fügen! Bleib so mutig und zeig es der Welt! Morgen wird bald gestern sein also fang heute damit an. <3
Was sind für dich die Vor- und Nachteile in Bezug auf den Standort Berlin?
Ich bin teile ungern auf in Vor- und Nachteile, da ein Vorteil sich in ein paar Wochen oder Monaten wie ein Nachteil anfühlen kann und diese Dynamik spüre ich in Berlin seit ich hier ankam. So wäre Berlins absoluter Vorteil, dass es so vielfältig ist. Die Menschen, die in dieser Stadt leben, machen sie zu dieser Explosion an Kreativität. Was sehr inspirierend und anspornend ist. Berlins Licht ist auch ganz besonders für mich, Farben wirken hier ganz anders - klarer und feiner. Als Künstlerin gesehen hat Berlin unzählige Vorteile, als Mama hat sie aber auch Nachteile wie die Rauheit, die eben eine Großstadt hat und die vielen Barrieren, die mit Kind nicht ohne eine zweite Person zu meistern sind.
Was hat sich über die Jahre verändert?
Dadurch, dass mein Kind mein Leben so verändert hat: alles <3
Was fehlt Berlin?
Wenig! <3 Berlin ist grandios und fabelhaft! Doch ein paar 1000 mehr Gedanken an Menschen mit Beeinträchtigung sollten gedacht werden und ihnen den Zugang zu absolut alltäglichen Dingen wie Geschäften - Veranstaltungen und auch den öffentlichen Verkehrsmitteln vereinfachen!
Was verbindest du mit deinem Kiez?
Manifestation! Bei meinem ersten Berlin-Besuch wusste ich - da will ich mal leben und arbeiten! Und so kam es! Kann gar nicht ausdrücken, wie happy ich bin, das leben zu können!
Danke Sophia <3