Menschen in Köln: Interview mit den Kuratoren des Kölnischen Stadtmuseums

geschrieben von Dina

Wir wollen dir die Menschen, die hinter den vielen tollen Orten in Köln stecken, zeigen. Deswegen haben wir eine neue Interviewreihe ins Leben gerufen, die genau diese Leute vorstellt und du einen Blick hinter die Kulissen werfen kannst.


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Heute haben wir die beiden Wissenschaftler und Kuratoren Stefan Lewejohann (links) und Sascha Pries (rechts) interviewt. Sie arbeiten beide am Kölnischen Stadtmuseum und haben uns einen Einblick in ihre Arbeit und ihre Wünsche für die Zukunft gegeben


- Was mögt ihr an Köln besonders?
Den Moment, wenn man auf der Autobahn in Richtung Köln fährt und das erste Mal den Dom sieht. Da weiß man: endlich bin ich zu Hause. (Sascha)


- Könnt ihr uns einen Geheimtipp in Köln verraten?
Einen Besuch des Kölnischen Stadtmuseums, was denn sonst!? Nirgendwo sonst kriegt man so viel Köln auf einmal. (Stefan)


- Was hat euch zum Kölnischen Stadtmuseum gebracht?
Ein ganze Menge Zufälle. Angefangen habe ich als Student im Service-Team des Museums, danach ging es dann immer irgendwie weiter… (Sascha)


- In der Veranstaltungsreihe „Wissensdurstig“ kombiniert ihr Museumsbesuch mit dem ein oder anderen Drink. Habt ihr euch das Konzept ausgedacht?
Ja, das haben wir. Die Idee einen Museumsbesuch mit einem Drink zu kombinieren, klingt vielleicht nicht super originell. Bei uns sind die Getränke aber immer speziell auf das Thema der Ausstellung angepasst, das gibt es so sonst nicht. Außerdem machen wir ja mit den Gästen der Führung auch noch Musik… (Stefan)


- Wie frei seid ihr in der Planung der Ausstellungen? Müsst ihr euch an viele Vorgaben der Stadt halten?
Die Themen besprechen wir schon in einem größeren Team. Sobald klar ist, was wir machen, haben wir große Gestaltungsspielräume, Vorgaben der Stadt gibt es dabei nicht. Manchmal werden Themen von außen gesetzt, zum Beispiel bei der Ausstellung zum Ersten Weltkrieg 2014, die war ja ein Teil des großen LVR-Projekts. Wichtig ist: Eine Ausstellung ist keine One-Man-Show. Wir sind angewiesen auf die Arbeit und Unterstützung von ganz vielen Leuten, die alle irgendwie zum Endprodukt beitragen, das die Besucher sich dann angucken können. (Sascha)


- Was würdet ihr am Kölnischen Stadtmuseum verändern, wenn ihr allen Handlungsspielraum hättet?
Ich finde es schade, dass das Museum und die Mitarbeiter seit Jahrzehnten so hängengelassen wurden. Dem Gebäude sieht man es an, dem Team nicht. Ich finde, es ist ein Wunder, dass alle hier mit so viel Engagement bei der Sache sind. Es gibt viele Punkte, die verändert werden sollten: äußeres Erscheinungsbild, Museumsgebäude, Anzahl der Mitarbeiter, finanzielle Ausstattung usw. Das Gute ist, dass wir an einigen dieser Punkte tatsächlich gute Fortschritte machen. (Sascha)


- Welches ist eurer Meinung nach das eindrucksvollste Exponat der derzeitigen Ausstellung „KÖLN 68!Protest. Pop. Provokation.“
Es ist schwierig, das auf ein Objekt runter zu brechen, aber besonders eindrücklich finde ich zum einen ein Megaphon aus dem Bestand des Universitätsarchivs, das immer wieder bei Kundgebungen und Teach-Ins benutzt wurde – es symbolisiert für mich in gewisser Weise die so wichtige freie Meinungsäußerung. Auch das reiche Filmmaterial, das wir dank des Vereins Köln im Film e. V. recherchieren und präsentieren können, ist eindrücklich. Aber den tollen Abschluss der Ausstellung bilden natürlich die vielen Protestplakate aus dem Pariser Mai 68, die der Kölner Louis F. Peters in Paris gesammelt und Juni 68 erstmals im Hauptgebäude der Kölner Uni präsentiert hat. Sie sind für mich Kunst und Revolte zugleich. (Stefan)


- Für welche Kunst interessiert ihr euch privat?
Ich kann gar nicht sagen, dass ich ein besonderer Kunstfreund bin. Unser Museum behandelt ja historische Ereignisse oder Phasen und nutzt Kunstwerke daher häufig eher als Mittel zum Zweck, das schätze ich auch an anderen historischen Museen. Ich schaue mir aber gerne Ausstellungen zur angewandten Kunst an, das hat irgendwie etwas lebensnahes. Moderne Kunst mag ich auch, das ist dann eher etwas zum Seele baumeln lassen. (Sascha)