FÜR 8€ IN DIE OPER? Was mich bei meinem ersten Opernbesuch am meisten überraschte

Im Kino und im Theater war jeder schon mal, aber in der Oper? Die wenigsten. Zu unrecht finden wir, denn Oper kann mindestens genauso spannend sein, wie ein Thriller auf der Kinoleinwand. Wir waren in der Oper Köln und haben uns das Stück La forza del destino” von Giuseppe Verdi angeschaut.

Wer jetzt an einen teuren Abend und spießiges Publikum in Abendkleidern denkt, wird erstaunt sein, denn auch für junge Leute hat die Oper einiges zu bieten. Für Studierende kosten die Tickets im VVK 50% weniger und an der Abendkasse genauso viel, wie ein Kinobesuch: insgesamt 8 Euro - egal, ob man in der 20. oder in der erste Reihe sitzt, sofern Restkarten vorhanden sind. Und das Publikum der Oper ist genauso bunt, wie Köln selbst: von Anzugträger bis Kuschelpulli war alles dabei.

Ich muss gestehen, ich war an diesem Abend selbst das erste Mal in der Oper Köln und gespannt, was mich erwarten würde. Die erste Überraschung gab es bereits an der Location: Die Oper liegt super zentral, nur 10 Gehminuten vom Deutzer Bahnhof entfernt, direkt hinter dem Tanzbrunnen.

Die zweite Überraschung folgte direkt im Anschluss: Hinter einem unscheinbaren Eingang verbirgt sich das StaatenHaus, die neue Heimat der Oper Köln, mit einem großen Foyer und einer sehr schicken, edlen Bar. Das StaatenHaus war ursprünglich eine Messehalle, die den neuen Räumlichkeiten der Oper einen ganz besonderen Charme verleiht. Es gibt insgesamt drei Säle, zwei große und einen kleinen. Während der kleine Saal mit seinen 200 Plätzen eine ganz intime Stimmung schafft, bieten die anderen Säle mit ihren großen Bühnenflächen (in Saal 1 bis zu 75 m breit, in Saal 2 bis zu 30 m tief) ganz andere Inszenierungsmöglichkeiten, als “herkömmliche” Opernhäuser. Hinzu kommt - und das hat mich besonders fasziniert - dass es keinen Orchestergraben gibt: Man kann dem Orchester genauso gut zusehen, wie der Inszenierung selbst und bekommt ein außergewöhnliches Klangerlebnis geboten.

Kurz vor sieben, gleich geht’s los: Auf dem Weg zum Saal begrüßt uns ein riesiger, künstlerischer, handgemachter Totenkopf, der extra für ein Stück angefertigt wurde. Dahinter bereitet sich das Orchester bereits auf seinen Einsatz vor. Uns erwartet ein Liebesdrama in vier Akten von Verdi, das sich vor allem um das Thema Schicksal dreht. Gesungen wird auf Italienisch, aber keine Sorge, man muss kein Italienisch-Ass sein, um folgen zu können, dafür gibt es Übertitelungen.

Leonora betritt die Bühne. Sie möchte in dieser Nacht mit ihrem Geliebten Alvaro fliehen, weil ihr Vater die Beziehung nicht duldet. Durch einen Unfall tötet Alvaro den Vater, und die beiden Liebenden verlieren sich auf ihrer anschließenden Flucht aus den Augen. Leonoras Bruder Carlo schwört daraufhin Rache und macht sich auf den Weg, die beiden zu finden und zu töten.

Was dann folgt ist eine Mischung aus Herzschmerz, Krimi und Spannung, die in verschiedenen Zeiten und an unterschiedlichen Orten spielt und von einer beweglichen Bühne und einem großen Chor wunderbar in Szene gesetzt wird. Zwischen Krieg und Kloster versuchen sich die drei zu finden und werden alle auf unterschiedliche Weise von ihrem Gewissen und ihren Gefühlen geplagt. Während Leonora ihren Frieden in der Einsiedelei sucht, wird Alvaro Jahre später Hauptmann im Krieg und trifft dort auf Leonoras Bruder, ohne dass die beiden Männer von der eigentlichen Identität des jeweils anderen wissen. Sie freunden sich sogar an, bis Carlo herausfindet, wer Alvaro wirklich ist. Obwohl ihm der "Verführer der Schwester" zuvor sogar das Leben gerettet hat, lässt er sich nicht davon abbringen, Alvaro im Duell töten zu wollen. 

Das Faszinierende an der Oper ist, dass alles live und in Farbe gespielt wird. Man kann nicht, wie im Kino, eine Szene noch einmal drehen. Wenn man sich verspielt, kriegt es das Publikum mit” sagt Anne Ströhler, Referentin für Presse und Online-Kommunikation der Oper, und diese Faszination teilen wir mit ihr. Wenn du jetzt Lust bekommen hast, selbst mal der Oper einen Besuch abzustatten, dann schau doch mal hier, der Spielplan beginnt nämlich wieder im September. 

Mein Fazit des Abends ist auf jeden Fall ein positives. Meine erste Opernerfahrung hat mir gezeigt, dass die Oper durchaus auch gute Unterhaltung für ein jüngeres Publikum ist und nicht nur für das klassische Opernpublikum, wie man es vor Augen hat.  Es war ein schöner Abend mit einem spannenden Stück, bei dem man mit jedem Charakter mitgefiebert hat, tollen Darstellenden und einem super Orchester, dem man sogar beim Spielen zuschauen konnte. Ich kann die Oper Köln jedem ans Herz legen, der Lust auf gute Unterhaltung und ein Erlebnis hat, das man nicht jeden Tag macht

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Fotos: Paul Leclaire und Rausgegangen