GRAD° JETZT mit Louisa Schneider
Moderatorin, Speakerin und Klima-Journalistin Louisa Schneider ist 2023 gemeinsam mit Greenpeace den fünf gefährdetsten Klima-Kipppunkten der Welt gereist – nach Brasilien, Senegal, Kanada, Grönland und Australien. Sie stand im Rauch brennender Wälder, sah Strände im Ozean versinken, hörte das Eis unter ihren Füßen brechen und sprach mit Menschen, deren Zuhause vom Klimawandel bedroht ist. Was sie dort gesehen, gehört und gefühlt hat – und warum sie trotzdem an der Hoffnung festhält – erzählt sie in ihrer Veranstaltungsreihe „GRAD° JETZT: Gegen die Angst“ und in ihrem gleichnamigen Buch, das letztes Jahr im Knesebeck-Verlag erschienen ist.
Liebe Louisa, welcome to Berlin! Große Freude, dich heute (26.03.25) im CineStar in der Kulturbrauerei durch den Abend begleiten zu dürfen. Du wirst über 200 Personen mit auf eure Reise nehmen – wie kam es dazu? Was hat dich motiviert, Teil dieses Abenteuers sein zu wollen?
Ich glaube, dass gute Geschichten Herzen öffnen können. Und genau das wollte ich: nicht nur über die Klimakrise reden – sondern sie fühlbar machen. Ich wollte zeigen, was auf dem Spiel steht – nicht nur abstrakte Grad-Zahlen, sondern echte Leben, echte Orte, echte Hoffnungen. Diese Reise war für mich kein Abenteuer im klassischen Sinne – sondern eine Suche nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Verbindung.
Was genau sind „Klima-Kipppunkte“ und warum sind sie so wichtig?
Kipppunkte sind Momente ohne Rückkehr. Wenn wir sie überschreiten, verändern sich ganze Ökosysteme unwiderruflich – die grüne Lunge des Amazonas könnte zur CO₂-Schleuder werden, das arktische Eis verschwindet, der Golfstrom kippt. Und was oft vergessen wird: Es sind nicht nur Umweltsysteme, die kollabieren – sondern Lebensrealitäten von Millionen Menschen. Kipppunkte betreffen nicht irgendwann irgendwen – sondern uns alle. Jetzt.
Auf deiner Reise hast du dir selbst ein Bild der Lage gemacht und mit betroffenen Menschen gesprochen. Welche Momente haben dich besonders berührt?
Da war dieser Moment im Senegal, als mir eine junge Frau sagte: „Wir tragen kaum zur Klimakrise bei – aber wir zahlen den höchsten Preis.“ oder in Grönland, als ein Mann mir sagte, dass er jeden Tag das Schmelzen seiner Heimat hört. Diese Begegnungen lassen sich nicht vergessen. Es sind nicht nur Interviews – es sind menschliche Verbindungen, die bleiben.
Wie würdest du deine Reise in drei Worten beschreiben?
Berührend. Wachrüttelnd. Hoffnungsvoll.
Vor drei Jahren hast du begonnen, auf Instagram über die Klimakrise aufzuklären. Heute folgen dir fast 60.000 Menschen. Du hast Reden auf Fridays for Future-Demos gehalten und moderierst bundesweit. Was hat dich damals motiviert, dich für Klimaschutz einzusetzen?
Ein Schlüsselerlebnis war die Ahrtalflut 2021 - unweit von meiner Heimat entfernt. Damals habe ich dann verstanden: Okay, Klimakrise ist nicht irgendwann oder irgendwo, sondern sie ist jetzt und hier und betrifft uns alle. Ich war zwar auch schon vorher aktiv und habe mich für Menschenschutz eingesetzt, aber nach dem Ahrtal hat mich nichts mehr gehalten und habe alle meine Ressourcen gebündelt und in die Klimaarbeit gesteckt. Ich konzentriere mich dabei aber nicht nur auf Deutschland, sondern vor allem international, damit wir denjenigen zuhören, die jetzt am meisten betroffen und am gefährdetsten sind.
Deine Veranstaltungsreihe und dein Buch heißen „Grad° jetzt – Gegen die Angst“. Warum ist es dir wichtig, neben der Dringlichkeit auch Hoffnung zu verbreiten?
Weil Angst lähmt – und Hoffnung bewegt. Ja, die Lage ist ernst. Aber wenn wir nur in Ohnmacht erstarren, verlieren wir alles. Ich glaube an die Kraft von Geschichten, die Mut machen. Hoffnung bedeutet nicht Verharmlosung – sie ist Widerstand. Sie ist unser Werkzeug, um ins Handeln zu kommen.
Du setzt dich täglich mit erschütternden Informationen auseinander. Wie schaffst du es, die Hoffnung nicht zu verlieren?
Indem ich mich erinnere, wofür ich das tue. Indem ich mich mit anderen verbinde, die auch kämpfen. Und indem ich bewusst Schönheit suche – in der Natur, in Menschen, in kleinen Momenten. Ich will nicht nur mahnen, ich will auch leuchten. Wenn wir Licht sehen, folgen wir ihm.
Was würdest du Menschen raten, die sich bisher wenig mit der Klimakrise beschäftigt haben?
Fang da an, wo es dich berührt. Du musst nicht perfekt sein, aber du kannst anfangen. Sprich drüber. Lies. Wähle bewusst. Mach dein Thema zum Teil deiner Stimme. Und vor allem: Lass dich nicht von Schuld lähmen, sondern von Verantwortung tragen.
Mit deiner Show warst du in über 40 Städten unterwegs und hast ein Buch geschrieben - was kommt als Nächstes?
Ich arbeite gerade mit meinem Partner André an einer Doku-Serie namens „Turning Point“. Jede Episode erzählt die Geschichten von jedem einzelnen Ort: Brasilien, Senegal, Kanada, Grönland und Australien. Dabei geht es uns vor allem darum, von Utopien, von Gerechtigkeit und hoffnungsvollem Widerstand zu berichten. Es ist eine junge, moderne Infotainment-Serie. Wann die Serie genau rauskommt, kann ich noch nicht genau sagen. Geplant ist aber, dass wir bereits einige Folgen auf der COP30 (internationale Klimakonferenz) diesen November in Belém, Brasilien zeigen. Wir arbeiten auf Hochtouren!
Danke Louisa für deine wichtige Arbeit und das anregende Gespräch. <3
Ich danke euch – fürs Zuhören, fürs Mitfühlen, fürs Dranbleiben.
Zum Video zum Interview gehts hier.