Münchner Erinnerungszeichen entdecken

von Regina

In München gibt es aktuell rund 110 Erinnerungszeichen für Todesopfer des Nationalsozialismus. Diese Erinnerungszeichen wollen in Form von Tafeln an Hauswänden oder Stelen auf das Schicksal der Menschen aufmerksam machen, die dort einst lebten. Wer tiefer in die Biographien dieser Menschen eintauchen möchte, der kann das jetzt mit der neuen Webapp zu den Erinnerungszeichen München machen.

© Kulturreferat Landeshauptstadt München

Über die kartenbasierte Seite könnt ihr nach Personen und Standorten suchen oder euch beispielsweise die Erinnerungszeichen in bestimmten Stadtteilen anzeigen lassen. Die Suchfunktion mit den unterschiedlichen Filtermöglichkeiten funktioniert nach unserer Einschätzung zwar eher besser auf einem PC als auf einem Handy, aber ihr könnt euch ja auch einfach auf der Karte direkt bewegen.

© Regina Bruckschlögl / MunichMag

Als Ergebnis erhaltet ihr dann Kurzbiographien wie diese vom Ehepaar Wilmersdörfer, die in der Nähe der Münchner Freiheit lebten:

In der heutigen Haimhauserstraße 1 in Schwabing – damals Haimhauserstraße 19 – wohnte von 1927 bis 1935 das Ehepaar Wilmersdörfer. Flora Wilmersdörfer wurde 1885 in Giebelstadt geboren. Ihr 1879 in Regensburg geborener Ehemann Siegfried Wilmersdörfer war seit 1921 Teilhaber des Münchner Geschäfts seines Onkels, der „Manufakturwaren-Großhandlung Max Wilmersdörfer“. 1938 „arisierten“ die Nationalsozialisten das Geschäft. Flora und Siegfried Wilmersdörfer planten auszuwandern. Doch die Emigration misslang. Der St. Louis, dem Schiff, mit dem das Paar 1939 nach Kuba einreisen wollten, wurde die Einfahrt in den Hafen von Havanna verwehrt. Nach einer Irrfahrt strandeten sie einen Monat später in Belgien. Siegfried Wilmersdörfer starb 1941 in Brüssel an den Folgen eines Herzinfarktes. Flora Wilmersdörfer wurde am 31. Juli 1943 von Mechelen nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich am 2. August 1943 ermordet.

Wer sich noch weiter mit der NS-Geschichte Münchens beschäftigen möchte, dem können wir auch die App 'Orte Erinnern' des NS-Dokumentationszentrums empfehlen. Die App führt euch zu 120 geschichtsträchtigen Orten in München und Umgebung und zeigt, wo genau der NS-Terror in der damaligen "Hauptstadt der Bewegung" stattgefunden hat.