Lust auf kostenlosen Kino-Spaß? Das Vorstadtkino der Kulturkirche Ost

Hast du auch des Öfteren das Bedürfnis, mehr über Filme zu sprechen? Bestimmte Dinge sind dir aufgefallen, du hast etwas nicht genau verstanden oder eine Szene wirklich atemberaubend gefunden? Aber irgendwie bleibt nach dem Kinobesuch oder Filmeabend gefühlt nur ein kurzer Augenblick, in dem man zustimmt, ob der Film gut war oder nicht. Und dann ist er auch schon wieder vorbei, dieser Moment, und man kehrt langsam, manchmal ganz ungewollt, zurück in die Realität.

Mir geht es oft so und umso schöner fand ich es vor einiger Zeit im Vorstadtkino der Kulturkirche Ost. An jedem ersten Samstag eines Monats öffnet die architektonisch einzigartige Kirche nämlich ihre Pforten und lädt kostenlos zum gemeinsamen Filmegucken ein. Die Grundidee dahinter ist dabei, ausgewählte Filme mit Gesprächen zu verbinden und so einen Ort des Austauschs zu schaffen.

Im Rahmen der derzeit laufenden Reihe „Kunst im Film” haben wir uns gemeinsam den Spielfilm „Frida“ angeschaut. Die Filmbiografie (2002) erzählt in bunten Bildern die Geschichte der mexikanischen Malerin Frida Kahlo (1907-1954). Es geht dabei nicht nur um das Leben einer Malerin, um deren Person geradezu ein popkultureller Hype entstanden ist, sondern vor allem um die Art, wie sie nach einem tragischen Verkehrsunfall Kunst, Lebenswillen und Selbstbehandlung in ihrem künstlerischen Schaffen vereint und zum Ausdruck bringt. Dabei verschwimmen Realität und Traum immer wieder miteinander, auch weil die Regisseurin Julie Taymor künstlerische Montagen in den Film integriert, um dieses stetige Aufeinanderprallen zweier Welten zu symbolisieren.

Warum ich das alles so genau weiß? ;-)

Vor jeder Vorstellung gibt der Journalist und Kurator Jürgen Kisters, der das Vorstadtkino-Programm verantwortet, eine kurze Einführung in die Thematik: Wieso wurde genau dieser Film ausgewählt? Was ist interessant? Was außergewöhnlich? Bei „Frida“ bekommen wir eine kurze kunsthistorische Einführung. Vor allem aber werfen wir auch einen Blick auf Lateinamerikas berühmtesten und wichtigsten Maler Diego Riviera. Wer ahnt es schon? Genau, Frida Kahlo und Diego Riviera, der übrigens ihr Lehrer war, waren nämlich verheiratet. Mit diesem Vorwissen beginnen wir den Film in angenehm ruhiger und nachdenklicher Atmosphäre.

Der Abspann läuft, Bewegung kommt in die Reihen, es wird hell. Nach der Vorstellung starten wir langsam in eine kleine Frage- und Anmerkungsrunde. Jeder ist herzlich willkommen mitzureden. Zunächst noch etwas schüchtern, heben jedoch nach einer gewissen Zeit immer mehr Besucher*innen ihre Stimmen. Auch ich, mit meinem eher begrenzten Wissen zum Thema Kunst, merke schnell, wie viele Sachen ich durch die vorherige Einführung aus einer ganz anderen Perspektive sehe. Stand Frida wirklich im Schatten ihres Ehemanns? Kann sie überhaupt mit ihm auf einer Kunst-Ebene betrachtet werden? Wie verherrlicht der Film die Leiden Frida Kahlos á la Blockbuster?

Am Ende gibt es kein klares ja oder nein, kein wirklich oder unwirklich, aber darum geht es auch gar nicht. Stattdessen beendet man den Abend mit einer ordentlichen Portion Horizonterweiterung, vielleicht einer neuen netten Bekanntschaft oder dem Wissen, dass Filme doch mehr sind, als bloßes frontales Zuschauen. Ich jedenfalls komme gerne wieder, um mehr über Filme und ihre Tiefen zu sprechen.

Alle Filme des Vorstadtkinos findest du gesammelt auf der Website der Kulturkirche Ost. Die Vor- und Nachbesprechung wird auch hier jeweils mit Jürgen Kisters stattfinden. Am 21.08.2019 um 20 Uhr wird außerdem der letzte von drei Filmen der Vorstadtkino-Spezial-Reihe „Kunst im Film" in der Kulturkirche Ost gezeigt. Er handelt von Gerhard Richter und der Fertigstellung einer abstrakten Bildserie im Atelier seines Hauses in Köln-Hahnwald. Wir dürfen danach gespannt sein, welche Vorstadtkino-Spezial-Reihe als Nächstes zum Gesprächsthema wird. Es bleibt also nur noch zu sagen: Erscheinet in Scharen und Film ab!


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