Wir sind Rausgegangen: Das Zugvögelfestival Nord in der Eifel am Weissen Stein

geschrieben von

Mittlerweile neigt sich die Festivalsaison langsam aber unverkennbar ihrem Ende zu. Kurz zuvor bäumte sie sich aber noch einmal mit einem Highlight auf und bescherte mit dem Zugvögelfestival Nord allen Freunden und Gästen einen Sommernachtstraum. Festivalimpressionen - Luna von Rausgegangen Zwischen grünen Wäldern Feldern und Wiesen gelegen bauten die Jungs von Laut und Illegal ihre Zelte am höchsten Punkt NRWs auf um uns ein nahezu perfektes Wochenende zu schenken. Sie luden zum Tanz der Endorphine und brachten uns für mehrere Tage auf einen Höhenflug. Im Auftrag von Rausgegangen durfte ich dabei sein und habe meine 7 Sachen gepackt und unseren alten grauen VW-Bus „Silberrücken“ mit Freunden und Mitfahrern beladen um mich auf den Weg zu machen. Keine 3 Autostunden vom Wiener Platz entfernt flogen wir mit offenen Fenstern und Musik auf unseren Ohren vorbei an der blühenden Sommerlandschaft hin zum Weißen Stein in der Eifel. Festivalimpressionen - Luna von Rausgegangen Begrüßt wurden wir von bunten Blumen Schmetterlingen kniehohen Gräsern und gut gelaunten Menschen die sich freuten hier zu sein und die Aussicht über die Landschaft zu genießen die sich unter uns grün und saftig ins Tal stürzte. Wir haben uns schnell eingerichtet und unsere kleine Schlafhöhle im Bus vorbereitet um möglichst rasch über das Festival zu fliegen und das Gelände zu erkunden. Festivalimpressionen - Luna von Rausgegangen   Das Gelände Auf zwei Floors boten die Musikmacher drei Tage lang was das Herz begehrt. Im „Nest“ beschallten die verschiedensten DJs Tag und Nacht die kleine Lichtung mit elektronischen Beats bis der ganze Wald mitgetanzt hat. Sobald die Sonne unterging und Mond und Sterne aufzogen wurde die Szenerie von einem Meer aus bunten Lichtern erleuchtet die wie bunte Glühwürmchen sanft zu dem Sound schwebten. Mehr Liebe und Stimmung geht nicht. Im „Horst“ nur ein paar hundert Meter weiter auf einer großen Wiese zwischen den Wäldern und mit Blick auf die grüne Landschaft unter uns reihte sich ein mitreißender Liveact aus der Mischpoke der Kölner Underground Szene an den nächsten. Immer wieder gespickt mit vielen Sahnestücken von überall aus der Republik und in den Pausen dazwischen wurde man von kurzen Theater- und Schauspieleinlagen überrascht und unterhalten. Ein Freudenfest irgendwo zwischen WG-Party und Woodstock. Hier waren Freunde zusammengekommen um es sich gemeinsam gut gehen zu lassen und das Wochenende mit einem lebensbejahenden Jubelschrei zu zelebrieren. Es war nicht ungewöhnlich dass sich nach einem Konzert der junge Mann oder das fröhliche Fräulein neben Dir aus der Menge schälte um im nächsten Moment auf die Bühne zu steigen und nun seinerseits die Boxen zu befeuern und die Menge zum Tanzen zu bringen. Selbstverständlich gesellte sich der Act der gerade noch auf der Bühne gestanden und alles gegeben hatte nach einer kurzen Pause wieder dazu und mischte sich unter die feiernden hüpfenden lachenden Menschen bis einem die Augen zu fielen und man dem Ruf der Zeltbetten folgte. Gleichgültig wo man hinging überall fand man liebevolle Überraschungen. Leuchtende Lampions zwischen den Ästen eine Discokugel zwischen den Baumkronen Origami-Kraniche Feuertonnen handbemalte bunte Schilder und Vögel in allen Formen Farben und Größen... Überall waren nette und offene Menschen in friedlicher Feierstimmung die einen willkommen hießen so dass man nie das Gefühl verlor exklusiv und ganz nah dran zu sein – am pulsierendem Bass und schneller schlagenden Herzen. Wer einmal eine Pause vom Trubel wollte konnte sich an den verschiedenen Leckereien der Imbissstände glücklich schlemmen oder einen der vielen Workshops und Rahmenveranstaltungen besuchen. Hier hatte man die Auswahl zwischen Massage-Workshops Kräuterwanderungen durch den Wald Akroyoga Bodypercussions Bauchtanz Improtheater Volleyballtunieren Vorträgen und vielem mehr. Wer das Festivalgelände verlies konnte durch blühende Wiesen streifen und fand weidende Almkühe. Oder er schlenderte durch einen Märchenwald der von innen zu leuchten schien und begegnete dort neben vielen Schmetterlingen auch Rehen und Füchsen. Festivalimpressionen - Luna von Rausgegangen Festivalimpressionen - Luna von Rausgegangen Freitag Mit niemand Geringerem als Johnny Priest starteten wir unsere Live-Session den wir auch schon beim Zusammen leuchten Festival im Kulturbunker und auf vielen Parties live spielend kennen und lieben gelernt haben. Er und seine Band standen gleich am Freitag auf der Bühne und gewannen das anfänglich noch zögerliche Publikum schnell mit einer Runde Shots direkt an der Stage für sich machten es zutraulich und überzeugten dann wie gewohnt mit überdurchschnittlich tanzbaren Rhythmen guter Laune und multilingualen Texten zum Mitsingen. Spätestens bei „Feier Dein Feuer“ waren wir Wachs in Priests Händen und wurden zum mehrstimmigen Chor der Band. Dicht gefolgt von Rasga Rasga die dieses Jahr ihre Premiere auf der Fusion feiern konnten und wie immer amtlich abgeliefert haben. Diese Powerfrontfrau singt sich voller Leidenschaft in Ektase und die Band steht ihr in nichts nach – klar dass das Publikum nicht lange wartete um sich davon anstecken zu lassen und wir binnen kürzester Zeit in einem Meer aus singenden tanzenden jubelnden Menschen schwammen die die Nacht und das Leben feierten. Die Stimmung hielt sich und die Party des ersten Abends ging bis tief in den nächsten Tag hinein. Johnny Priest - Luna von Rausgegangen Johnny Priest - Luna von Rausgegangen Flying Penguin - Luna von Rausgegangen Festivalimpressionen - Luna von Rausgegangen Flying Penguin - Luna von Rausgegangen Trez Unidos - Luna von Rausgegangen Samstag Am nächsten Tag hatte sich das Festival deutlich gefüllt. In der Nacht waren noch viele weitere Zugvögel eingetrudelt hatten ihre Zelte aufgeschlagen und waren bereit Stimmung zu machen. Dafür führte kein Weg an Flying Penguin aus Nürnberg vorbei – wow was für eine Power! Diese Crew ist mit so viel Begeisterung bei der Sache dass es unmöglich war sich davon nicht beeindrucken und mitreissen zu lassen. Virtuos und sprachtalentiert auf englisch und deutsch mit dem richtigen Sinn für Reime Rhythmen und Tempo – Sprechgesang in der Deluxe Version. Mit zwei virtuosen Rappern einer wundervollen Sängerin und einer enthusiastisch funkigen Band haben sie aus dem Publikum geholt was ging. Die haben so viel Spaß bei der Sache – eine Freude für Augen und Ohren. Im Anschluss gab es Trez Unidos auf die Ohren – wilder Sound und portugiesische Lyrics mit Wolfi einem der Hauptorganisatoren des Festivals. Wer hier nicht mittanzte lag noch schlafend im Zelt. Mit mexikanischen Wrestlermasken bestückt powerten die drei auf der Bühne und brachten fordernd und beißend das Publikum auf ein neues Level. Nach so viel Energie brauchten wir erstmal eine Pause und versorgten uns mit einer kulinarischen Stärkung schlenderten über das Gelände vorbei an grillenden Gruppen und Menschen die sich gemeinsam auf den Wiesen Volleyball oder Fußball widmeten. Wir kletterten den riesigen Aussichtsturm hinauf der einen noch besseren Blick über das Umland versprach. Mit Gittertreppen und- boden und einer Höhe von der aus man gefühlt die Erdkrümmung erkennen konnte war dieses Festival-Edit nichts für Akrophobiker. Flying Penguin - Luna von Rausgegangen Festivalimpressionen - Luna von Rausgegangen Trez Unidos - Luna von Rausgegangen Moglebaum - Luna von Rausgegangen Moglebaum - Luna von Rausgegangen Der Abend wurde für uns dann von Moglebaum eingeleitet – eine wunderbare düsseldorfer Mischung aus elektronischer Musik und lieblichem Live-Gesang. Sphärische Musik die gleichermaßen zum chillen und tanzen einlädt. Die perfekte Einleitung in eine Nacht die wir gemeinsam mit 600 anderen Zugvögeln zum Tag machen würden. Für ihre Sonnenuntergangsmusik verteilten sie fleißig Sticker damit das Publikum sie in die Welt hinaus tagte. Nichts lieber als das. Moglebaum - Luna von Rausgegangen Festivalimpressionen- Luna von Rausgegangen David Spencer - Luna von Rausgegangen Björnson Bear - Luna von Rausgegangen Sonntag. Der Sonntag machte seinem Namen alle Ehre und weckte uns und die anderen schon früh mit warmen Sonnenstrahlen. Er lud dazu ein in die Sommerkleider und kurzen Hosen zu schlüpfen und barfuß über die Wiese zu schlendern. Seifenblasen flogen durch die Luft und Blumenkränze und geflochtene Zöpfe schmückten viele Häupter. Viele waren zwar schon wieder aufgebrochen oder packten gerade ihre Sachen zusammen weil Alltag und Verpflichtungen nach ihnen riefen aber vor der Bühne wurden Decken ausgebreitet und David Spencer sorgte für den perfekten Soundtrack. Der Singersongwriter stand allein mit seiner Gitarre auf der Bühne und hatte sich schnell daran gewöhnt dass die Menschen ihm zwar alle zuhören wollten aber noch ein bisschen Zeit zum Entspannen brauchten. Ein familiäres Konzert mit Lagerfeuer im Herzen und Sonne auf der Haut. Entspannter konnte man nicht in den Tag starten. Björnson Bear folgte auch ein alter Bekannter vom Zusammen leuchten Festival und fegte mit seinem Sound die Picknickdecken dann bei Seite und animierte zum Tanzen bis auch der Letzte aufgestanden war und langsam in Bewegung kam. Seine kehlig rauchige Stimme lies die ein oder anderen Mädchenknie butterweich werden und sorgte auf englisch und spanisch für die richtige Stimmung. David Spencer - Luna von Rausgegangen Assim - Luna von Rausgegangen Assim - Luna von Rausgegangen  R.O.N. Luca Johnson CML Julie Juice - Luna von Rausgegangen   R.O.N. Luca Johnson CML Julie Juice - Luna von Rausgegangen   R.O.N. Luca Johnson CML Julie Juice - Luna von Rausgegangen

Danach kam Rapper Assim auf die Bühne und leitete die Künstler des Kölner Labels SeieinMensch ein. Deutsprachiger Rap von den Straßen der Domstadt mit viel Seele und intelligenten Texten mit Aussagen die gefühlt werden. Er trippelte über die Bühne und zeigte immer wieder zu seinem Herzen dem Kopf und zum Himmel. Mit Assim findet man klassichen HipHop der fernab ab von leeren Floskeln keinen Platz für Stereotypen lässt. Im Anschluss blieb man dem Genre treu. Deutsch französischen HipHop direkt aus Nippes brachte Rapper CML auf die Bühne mit R.O.N. (Hieronymus Caspar) an der Trompete Luca Johnen am Saxophon und Julie Juice im Support zauberten sie ein kleines Heer von Kopfnickern und wer den Text kannte machte daraus kein Geheimnis. Eine tiefe Stimme und smoothe Beats die vom Leben selbst erzählen und direkt aus dem Alltag ihren Weg durch sprachverspielte Lyrics in unser Ohr fanden. Nach so viel Extase gönnten wir uns dann erstmal ein tatsächlich unfassbar leckeres Crêpe von Holy Crep mit eingelegten Rumkirschen und Nussnougatcreme. Ich hätte mich ohne weiteres in eine Badewanne voll damit legen und für immer glücklich sein können. Den Abschluss in puncto Live-Musik brachte die frisch gebackene Band Cosmic mit Bigband-Sound und einer Mischung aus smoothen Jazz Indie HipHop und Rock. Ein Traum von einer Band deren Genre-Repertoire kaum größer aufgestellt sein könnte. Prädestiniert für Gänsehaut und große Gefühle wurde schnell klar dass hier Herzblut am Werk ist. Zwar war nach einigen wenigen selbstverfassten Songs Schluss – aber das bedeutet für Musiker aus Leidenschaft noch lange nicht das Ende eines Auftritts. Es wurde noch fleißig weiter gejamt. CML Assim Björnson Bear und der Trompeter von Rasga Rasga schälten sich einmal mehr aus dem Publikum und machten spontan und begeistert mit während das Publikum den Sound genoss und immer wieder vor Verzückung jauchzte und frohlockte. Eine glücklich wabernde Menge in der Dunkelheit unter den bunten Lichtern der Bühne. Ich glaube diese Band sollte man im Auge behalten – the sky is the limit – hört bloß nicht auf und macht weiter so. Wir ließen es uns nicht nehmen zu bleiben bis der Vogelgott – eine riesige Figur aus Holz und Stroh mit Vogelkopf und breiten Flügeln - verbrannt wurde und den drei Festivalorganisatoren gehuldigt wurde. Leuchtende Augen und der immer wieder aufbrandende Sound von Applaus jubelnden Pfiffen und Rufen quittierten ein kleines Festival der Superlative. Hier hatte man Menschen glücklich gemacht. Die Flammen zogen in den Nachthimmel und mit ein paar Mitfahrern auf der Rückbank machten wir uns im Anschluss wieder auf dem Weg durch die dunklen Straßen in einer warmen Nacht in die wundervolle Domstadt die uns wie immer mit offenen Armen empfing. Ein schönes Wochenende im Gepäck und die Taschen voller Erinnerungen und Vorfreude auf das nächste Zugvogelfestival am letzten Novemberwochenende pünktlich zum 1. Advent. Dieses Mal laden die Organisatoren in die Berghöhlen Teneriffas und versprechen ein Festival mit den altbewehrten Zutaten: Herzblut Leidenschaft und Lebensfreude. Man darf also gespannt sein – mein Ticket ist gebucht. ;)