Wir sind rausgegangen: Green Juice Special #1 im Brückenforum Bonn

geschrieben von

IMG_20160403_132044 Keinen Bock mehr auf den Start der Festival-Saison zu warten? Das dachten sich auch die werten Kollegen vom Green Juice Festival und haben kurzerhand mit dem Green Juice Special #1 ein feines Indoor Festival auf die Beine gestellt – mit einem hammer Line-Up! Gleich auf zwei Bühnen gab es am vorletzten Sonntag einen ganzen Nachmittag Gitarrenriffs zum Headbangen und entspannte Singer-Songwriter-Melodien zum Träumen. Also von wegen entspanntes Sonntagsprogramm – ich war in rausgeherischer Mission mit Jane als Fotografin im Gepäck unterwegs um bei Acts wie Heisskalt oder den Blackout Problems amtlich abzugehen ;-) Ein Festival hinter Türen Ja das war tatsächlich mein erstes Festival dass ich in geschlossenen Räumen erlebt habe. Aber das Ganze war irgendwie entspannt man hatte direkt alles auf einem Fleck. Die kleine aber feine Acoustic-Stage konnte man beim Reingehen gar nicht übersehen und hier blieben wir auch (nach längerer Parkplatzsuche etwas spät dran) direkt beim Auftritt von Samuel Breuer hängen. Der Bonner Singer-Songwriter berührt einfach durch seine eindringenden Texte die dich immer gleich mitnehmen in eine andere Welt in eine Geschichte die er zu erzählen hat. Dabei verteilt Samuel nebenbei immer noch ganz viel „#liebeindiewelt“ – seine Instagramkampagne (und cooles Stickermotiv). Es geht darum die Menschen zu erinnern sich mit Nächstenliebe zu begegnen. Finde ich eine sehr schöne Sache – Aufkleber ziert jetzt mein Notizbuch :) Und man munkelt dass er irgendwann in den nächsten Monaten wohl auch mal bei uns im Salonwagen vorbeischaut. Samuel Breuer auf dem Green Juice Special #1 Samuel Breuer Nach diesem schönen Start wurden erstmal die Grundbedürfnisse gedeckt und rechtzeitig zu Astairre waren wir wieder am Start. Die mittlerweile in Köln beheimatete Rockband ist bekannt für ihre lauten ausgefallenen und leidenschaftlichen Live-Auftritte – das kann so auf jeden Fall unterschrieben werden. Mit voller Energie schmissen die 3 Jungs dem Publikum ihren Mix aus Punk Pop Rock und Indie um die Ohren – genau die richtige Abwechslung zum vorherigen Singer-Songwriting. Das Konzept des Festivals funktioniert auf jeden Fall immer wenn auf der großen Bühne Umbau war konnte man auf der Acoustic-Stage den Liedermacher-Talenten zuhören und dabei vielleicht noch die ein oder andere Überraschung erleben.   Publikumskontakt Level: Blackout Problems Gegen 17 Uhr klopfte dann so langsam der Hunger an die Tür und wir entschieden uns für das vegane Angebot an Süßkartoffel-Curry und Soja-Bolognese – ein fetter Burger mit Pommes erschwert doch nur das Rumspringen später ;-) Ja genau später ich habe mich erstmal noch zurückgehalten – das erklärte Ziel des Abends war ganz klar der Auftritt von Heisskalt Minimum zweite Reihe! Damit dies gelang platzierten wir uns schon während Radio Havanna ziemlich weit vorne. Die Berliner Punkrocker hatten in jedem Fall das ein oder andere Gimmick im Gepäck vom Schnaps am Wellenbrecher – für den wir da leider noch nicht nah genug dran waren – bis zur Konfettikanone beim finalen Song. Der Kontakt zum Publikum war mehr als etabliert. Radio Havanna auf dem Green Juice Special #1 Radio Havanna Radio Havanna auf dem Green Juice Special #1 Radio Havanna Doch das konnte noch getoppt werden. Auf den Auftritt von den Blackout Problems war ich von Anfang an mehr als gespannt. Und ich stand schon genau da wo ich hinwollte zweite Reihe direkt beim Lead-Mikro nicht zu weit drin um vom Pit mitgerissen zu werden nicht zu nah ans Geländer gequetscht dass man sich nicht mehr bewegen kann – perfekt. (Anmerkung: Nicht ganz bedacht in meinem Plan hatte ich natürlich dass wir wenn wir schon drei Bands vorher den Platz sichern natürlich von der Acoustic-Stage nicht mehr so viel mitbekommen. Aber das war es wert.) Die Münchner Blackout Problems waren einer der wenigen Acts die mit ihrem alternative Rock englische Songs präsentierten. Ich fand das eine sehr schöne Abwechslung und mag sowieso diesen amerikanisch angehauchten Stil sehr melodisch mit mitreißenden Refrains. Was ich eben schon andeutete bei dem Auftritt der Jungs wurde Publikumskontakt nochmal neu definiert. Sänger Marcus entschied mehrmals kurzerhand die Bühne einfach mal zu verlassen über die Absperrung zu klettern und singend durch die Halle zu wandern. Mitten durchs Publikum. Mit Gitarre. Mit Mikrofon. Das ein unerwartet langes – und ich meine sehr langes – Kabel hatte. So wurde man mal eben mit dem Job des Kabelfesthaltens konfrontiert immer wieder mal was Neues. Auch Stage-Diving und Crowd-Surfing scheint dem jungen Sänger mittlerweile zu abgedroschen Crowd-Standing ist wohl eher der Begriff der beschreibt wie er quasi auf Händen getragen mitten in der Menge stand – ein beeindruckendes Bild. (Das ist leider nur von hinten sehen konnte – zweite Reihe hat eben auch Nachteile.) Von diesem ganzen Rumgewandere mal abgesehen haben die Jungs auch sowieso eine hammer Show geliefert eine Band die ich in Zukunft auf jeden Fall auch näher verfolgen werde. Blackout Problems auf dem Green Juice Special #1 Blackout Problems Blackout Problems auf dem Green Juice Special #1 Blackout Problems Blackout Problems auf dem Green Juice Special #1 Blackout Problems   Euphoria Dann hieß es ein letztes Mal warten. Etwas stehen etwas auf dem Boden sitzen und den immer in aller Ruhe durchgeführten Soundcheck beobachten. Bis das Licht ausgeht. Und dann ging es los! Direkt mit der neuen Single „Euphoria“ als ersten Song eröffneten die Stuttgarter von Heisskalt ihre Show und ich war wie immer von Anfang an gepackt. Ich muss das an dieser Stelle einfach mal loswerden es ist ja nicht nur das dieser deutschsprachige Post-Hardcore sowieso voll mein Ding ist - vor allem die Lyrics von Sänger Mathias haben es mir angetan. So oft finde ich mich in den Texten wieder. Es begeistert mich wie verschiedene Aspekte unserer Gesellschaft auf einer emotionalen Ebene so treffend skizziert werden - mit wunderschönen Metaphern und sprachlichen Bildern die mich immer wieder fesseln (wohl auch weil ich selber schreibe und so etwas immer bewundere). Die menschlichen Beziehungen die im digitalen Zeitalter mehr und mehr verkommen wobei es bloß noch um den Zweck geht der Profilierung nach Außen der Legitimation der eigenen Existenz. Und auf der anderen Seite diese Sehnsucht nach diesem wahrem echtem Moment zwischen zwei Menschen in dem sich der Kosmos verkleinert und sich einen Augenblick lang nur um sie dreht und gleichzeitig alles umfasst weil es plötzlich Sinn ergibt. Bis die Realität dich einholt. Doch da ist auch die Hoffnung dass es am Ende vielleicht doch in deiner Hand liegt diese Realität zu deinem sinnergebenden Kosmos zu machen auch wenn dies einen harten Kampf mit dem eigenen Selbst bedeutet. So jetzt aber genug von dem melodramatischen Geschwafel und zurück zum Wesentlichen. Die Show war der Wahnsinn – vor allem hat es mich gefreut dass die Jungs überraschend viele ihrer „ruhigeren“ Songs gespielt haben darunter mit „Bestehen“ auch eines meiner Lieblingsstücke. Die ganze Halle entschied übrigens sich währenddessen einfach mal hinzusetzen. Auch schön. Natürlich war auch einiges vom neuen Album „Vom Wissen und Wollen“ dabei das am 10. Juni erscheinen wird – ein Tag der schon rot im Kalender makiert ist. Was man schon gehört hat war mehr als vielversprechend! Heisskalt auf dem Green Juice Special #1 Heisskalt Heisskalt auf dem Green Juice Special #1 Heisskalt Heisskalt auf dem Green Juice Special #1 Heisskalt Heisskalt auf dem Green Juice Special #1 Heisskalt   Man merkt es vielleicht dieser Tag war für mich ein perfekter Sonntag. Obwohl ein Stück Kuchen hätte noch gefehlt ;) Machs gut Corinna von Rausgegangen     Und zum Schluss lässt sich nur sagen:

Offene Arme der gewaltigste Protest den wir haben Will sagen bevor noch jemand hinfällt Passt bitte aufeinander auf in dieser Scheißwelt

  • Heisskalt Gipfelkreuz