Das sagt der/die Veranstalter:in:
Kann die Philosophie uns retten? Antike Philosoph:innen waren davon überzeugt – und bereit, für diesen Glauben zu sterben und zu töten. Sokrates bemühte sich, seine Mitbürger:innen durch Argumente und Diskussion zu retten und wurde dafür hingerichtet. Platon zog aus dem Schicksal seines Lehrers eine düstere Lehre: Rationale Überzeugungskraft ist machtlos gegenüber tief verwurzelter Irrationalität. Nur gewaltsame gesellschaftliche Transformation – die Zerstörung eines korrupten Systems, an dessen Stelle ein tugendhaftes tritt – kann die Menschheit vor Ungerechtigkeit bewahren. Diese Überzeugung befeuerte moderne revolutionäre Bewegungen von Robespierre bis zur Roten Armee Fraktion. Im Gegensatz zu Platon und seinen revolutionären Erben misstrauen liberale Gesellschaften Behauptungen vom „wahren“ gute Leben und berufen sich stattdessen auf Pluralismus. Dennoch führen die meisten Menschen heute trotz nie dagewesener Freiheit und beispiellosen Wohlstands offenkundig kein glückliches und erfolgreiches Leben. Stattdessen taumeln wir von Krise zu Krise – Krieg, Klimawandel, Ausbeutung, politische Radikalisierung – ohne gemeinsame Maßstäbe dafür, was erstrebenswert ist.Dieser Vortrag stellt eine unbequeme Frage: Trägt der Liberalismus aufgrund seiner Weigerung, sich ernsthaft mit dem guten Leben auseinanderzusetzen, eine Mitverantwortung für den gegenwärtigen Zustand der Welt? In Rückbesinnung auf Sokrates und Platon wird argumentiert, dass die eigentliche Alternative zu sokratischem Drängen und platonischer Zwangsausübung nicht das Schweigen ist, sondern eine radikale Demokratisierung philosophischen Urteilens – eine Form der Bildung, die Menschen in die Lage versetzt, über Werte zu diskutieren, ohne dass dabei Meinungsverschiedenheiten zu Dominanz und Politik zu Krieg werden.Carlos Fraenkel ist James McGill Professor für Philosophie und Religion an der McGill University in Montreal und übernimmt in diesem Jahr die Leitung des Einstein Forums in Potsdam. Zuvor war er Professor für Vergleichende Religionswissenschaft und Philosophie an der Universität Oxford. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählen Philosophical Religions from Plato to Spinoza: Reason, Religion, and Autonomy sowie Teaching Plato in Palestine: Philosophy in a Divided World und das demnächst erscheinende Radical Ancients: Philosophy as Experiments in Living. In seiner Arbeit versteht er Philosophie als praktische und kritische Tätigkeit und geht der die Frage nach, wie sie individuelle Lebensführung, öffentliche Kultur und demokratische Gesellschaften prägen kann. Seine Essays erschienen u.a. in der London Review of Books, dem Times Literary Supplement, der New York Times, der Boston Review, in Dissent, Liberties und weiteren Publikationen. An der McGill University unterrichtet er den beliebten Bachelor-Kurs „The Good Life“, der sich mit philosophischen Lösungsansätzen zu der Frage beschäftigt, wie wir leben sollten.In englischer SpracheMit einem musikalischen Beitrag von Studierenden der Barenboim-Said Akademie
Preisinformation:
10.00 - 45.00€
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