Er drängt sich nicht in die vorderste Reihe. Alex Somers arbeitet vielmehr still und oftmals mannschaftsdienlich. Die „Mannschaft“, in jener Analogie aus der Sprache des Sports, ist die isländische Band Sigur Rós, für welche der US Amerikaner produzierte und Cover gestaltete, nachdem er Sigur Rós‘ Leadsänger Jónsi, mit dem er in Boston zusammenwohnte, in dessen isländische Heimat begleitete. Als Jónsi & Alex veröffentlichten die beiden 2009 das Album „Riceboy Sleeps“ dessen ungeglättete Traumsphären mal minimalistisch, mal nahezu orchestral Somers Talent offenbarten, innere Zustände zu illustrieren. Neben seiner weiteren, intensiven Zusammenarbeit mit Jónsi, begann Somers sich als Filmmusikkomponist einen Namen zu machen. Der Nachhall schwingender Saiten, mal sanft, mal brüsk kreisende Loops – vieles in Alex Somers Musik verbindet ihn mit den Klangästhetiken, die das Approximation Festival über die Jahre prägen. So lag es nahe, ihn als ersten „Composer in Residence“ einzuladen, um Musik für das Festival zu kreieren. Die von Alex Somers und Jónsi komponierten neuen Werke reflektieren natürlich auch die Verluste und Einsamkeit der vergangenen Monate, ihre Texte erzählen dazu in einer eigens erdachten Sprache, welche die beiden Komponisten „Volenska“ nennen, auf deutsch: „Hoffnungsländisch“. – Könnte man sich eine schönere Perspektive vorstellen? Wenn Alex Somers in diesem Jahr gerade nicht an seinem Werk für Approximation arbeitete, veröffentlichte er Soloalben und Filmmusiken oder saß als Musikalischer Direktor am Schneidetisch neben Bob Dylan, um dessen Konzertfilm „Shadow Kingdom“ zu vollenden, der diesen Sommer für genau zwei Tage zu sehen war, bevor er wieder verschwand. Vielleicht passt dies auch ganz gut als Allegorie auf das Schaffen eines „Composers in Residence“, der sein Schattenkönigreich für den einen Moment errichtet, den wir Gäste miterleben dürfen. Alex Somers wird von einem Ensemble samt Chor begleitet, es dirigiert Rob Ames, Gründer des London Contemporary Orchestras.