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Amphitryon. Ein metaphysisches Gedankenspiel nach Kleist

Theater Kunst Abend zu zweit Gemütlicher Abend Ausflug Literatur

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Von Leonie Houber, Kieran Joel, Heinrich von Kleist und Felix Witzlau | Regie Kieran Joel| Ausstattung Madeleine Sahl und Sophia Schach | Musik Lenny Mockridge | Regieassistenz Erika Walter

Mit Leonie Houber und Felix Witzlau

"Ist diese Hand mein? Diese Brust hier mein? Gehört das Bild mir, das der Spiegel strahlt?" (Alkmene in Amphitryon, 2. Akt, 4. Szene)

Noch nie zuvor war Identität so komisch wie in Heinrich von Kleists Komödie Amphitryon. Von ihm selbst bescheiden als Lustspiel nach Molière bezeichnet, leistet Kleists 1807 im Druck erschienenes Stück nichts Geringeres als den Transfer der bereits von Plautus und Molière bearbeiteten Verwechslungsthematik in die Moderne: Der Feldherr Amphitryon, der aus dem Krieg zurückkehrt und feststellen muss, dass Jupiter seine Gestalt angenommen hat, um zum Liebhaber seiner Gattin Alkmene zu werden, wird durch Kleist zum Prototyp des seiner selbst unsicheren Menschen. 

Kleists großer Theatercoup besteht darin, dass er den Zerfall eindeutiger Modelle von Identität keinesweis als tragischen Gegenstand behandelt, sondern vielmehr die daraus resultierenden Befindlichkeiten, Irrtümer und Missgeschicke in komödiantischem Rahmen durchspielt. So bietet sich sein Amphitryon nachgerade an, um aktuellen Fragen von Identität auf den Zahn zu fühlen: Wo sind wir "echt" und wo bestehen wir aus Zuschreibungen und Beobachtungen? Ist Identität künstlich reproduzierbar - oder gar künstlerisch? Und welche Verantwortung trägt dabei das Theater, wo die Annahme falscher Identitäten den gängigen modus operandi darstellt?

Kieran Joel hat am Theater im Bauturm bereits mit seinen Inszenierungen Don Quijote, Moby Dick und Frankenstein sowie dem Artaud-Projekt Das Theater und sein Double ebenso kraftvolle wie sinnliche Theaterabende geschaffen, in denen stets auch die Strukturen und Wirkungsweisen der Institution Theater auf die Probe gestellt werden. Versiert im Umgang mit Metaebenen und Theatereffekten wird er sich nun mit seinem Team in das Spiegelkabinett von Kleists Verwechslungsspektakel hineinbegeben, von dem Thomas Mann 1928 schreibt: "Spielte man es, wie es gespielt zu werden verdient, es gäbe eine Lustbarkeit, bei der Gemüt und Verstand in festlich gleicher Weise auf ihre Rechnung kämen."

Location

Theater im Bauturm
Aachener Straße 24-26
50674 Köln

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