Im brasilianischen Bundesstaat Pará, wo die Wälder aufgrund der wachsenden Soja-Monokulturen brennen und die Natur vom Kapitalismus verschlungen wird, trifft das Ensemble des Genter Stadttheaters auf Mitglieder der Bewegung der Landarbeiter ohne Boden (MST), um ein allegorisches Stück zu erarbeiten: Antigone, Sophokles’ Tragödie über den Konflikt zwischen Staatsgewalt und innerer Wahrheit, wird hier zur Konfrontation des übermächtigen neoliberalen Systems mit dem Anspruch auf ein Leben im Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur.
In dieser faszinierenden Arbeit zwischen bewegender Tragödienüberschreibung und informativem Dokumentartheater kommentieren Aktivistinnen und Aktivisten als Chor der Landlosen von einer riesigen Videowand herab das Bühnengeschehen zwischen Kreon, Antigone, ihrem Verlobten Haimon und dessen Mutter Eurydike.
Als letzter Teil seiner Antiken-Trilogie, die mit „Orest in Mossul“ (2020 bei den Lessingtagen) begann, erzählt Regisseur Milo Rau die tragische Geschichte von Recht und Unrecht als blutiges Aufeinandertreffen von traditioneller Weisheit und Turbokapitalismus.
Dauer: 1:45 Stunden (keine Pause)
Auf Portugiesisch, Niederländisch und Tucano, mit deutschen und englischen Übertiteln
23. Januar 2024, 19:30 Uhr, Thalia Theater
24. Januar 2024, 19:30 Uhr, Thalia Theater
Im Anschluss an die Vorstellung am 24. Januar: Michael Laages (Theaterkritiker) im Gespräch mit dem Ensemble
Koproduktion mit The International Institute of Political Murder (IIPM), Festival d’Avignon, Romaeuropa Festival, Factory International (Manchester), La Villette (Paris), Tandem – Scène nationale (Arras Douai), Künstlerhaus Mousonturm (Frankfurt), Equinoxe Scène Nationale (Châteauroux), Wiener Festwochen