Das sagt der/die Veranstalter:in:
Film von Ute Schall, D 2022, 81 Min
„Im Theater hab’ ich ja immer versucht, die Sachen, die mich bedrücken, in den anderen auch zu erkennen. Ich hab’ ja nichts anderes gemacht als gesagt: Wenn ich darunter so leide, wie leiden denn die anderen Menschen unter diesen Bedingungen, und wenn ich nicht leben kann, warum können die anderen dann leben, und das hab ich immer versucht in ein bestimmtes Verhältnis zu setzen.“
Einar Schleef
Die Filmemacherin Ute Schall bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Theater und Film, Privatem und Öffentlichen.Für ihren neuen Film ARBEIT begleitete sie den Probenprozess der Produktion Tarzan rettet Berlin des Theaterkollektivs Janina Audick, Martina Bosse, Brigitte Cuvelier und Christine Groß, die im HAU Hebbel am Ufer im Rahmen von Einar Schleef zum 75.Geburtstag Premiere feierte.
Im Film thematisiert Ute Schall drei Ebenen, die sie im Probenprozess mit der Kamera beobachtet hat: Die Ebene der Sprache von Einar Schleef, die der chorischen und inszenatorischen Arbeit von Christine Groß, die lange Jahre als Chorleiterin bei Schleef arbeitete, und die der Protagonist:innen auf der Bühne – ein Chor aus dreizehn Personen, die sich dem binären Code einer Geschlechtszuordnung widersetzen.Mit persönlichen Texten der Chorpersonen, Texten zu Queerness, aber vor allem den Tagebuchtexten von Einar Schleef werden die Themen Sprache, Identität, Individualismus und Dualismus Schicht für Schicht freigelegt. „Heute ist Sprechen. Ich habe nie so viel nachgedacht, warum der Körper mich quält, niederdrückt, wie das Sprechen in mir mich abwürgt.” heißt es bei Einar Schleef.Mit dem chorischen Stakkato von Wort und Bewegung, dem Sprachduktus von Einar Schleef, sehen wir im Film, wie Christine Groß die Fragen der Geschlechter- und Transgenderidentität in den Proben verhandelt: Der Einzelne spricht aus dem Mund Vieler; aus der Konstruktion und der Dekonstruktion ergibt sich eine neue Vielheit.
Mit: Janina Audick, Jona Aulepp, Sacha Benedetti, Martina Bosse, Claudio Campo-Garcia, Brigitte Cuvelier, Benjamin Drexler, Sanni Est, Kay Garnellen, Christine Groß, Kim Ley, Naomi Odhiambo, Roman Ott, Marina Prados, Jayrôme C. Robinet, Nathalie Seiß, Julian Süss, Meo Wulf, Yasmin El Yassini, Marlene Lockemann, Daniela Zorrozua, Jan Koslowski, Josefin Willnauer
Regie und Montage: Ute SchallBildgestaltung: Hannes FranckeTonmischung: Jochen Jezussek
Tarzan rettet Berlin von Janina Audick, Martina Bosse, Brigitte Cuvelier und Christine Groß war eine Koproduktion des HAU Hebbel am Ufer Berlin, gefördert vom Hauptstadtkulturfonds (Premiere: 10. Januar 2019). Geprobt wurde im Ballhaus Ost, im Künstlerhaus Bethanien und im HAU 1.
Die Aufführungen fanden im Rahmen der Veranstaltungsreihe Einar Schleef zum 75., kuratiert von Aenne Quiñones, im HAU1 statt.
Mit freundlicher Genehmigung des HAU Hebbel am Ufer, Berlin
Der Film zeigt Ausschnitte aus Nie mehr zurück von Heiner Sylvester mit freundlicher Genehmigung von Heiner Sylvester.