Am 8.5. starten wir zusammen mit ANTI unsere neue Reihe Ritual und Rebellion, mit der wir einen Raum öffnen für junge zeitgenössische, experimentelle und gesellschaftskritische jüdische Künstler:innen, die sich mit der Komplexität, den Widersprüchen und den aktuellen Transformationsprozessen jüdischen Lebens, jüdischer Erinnerung und Identität auseinandersetzen.
In unserer ersten Ausgabe begegnen sich künstlerische Perspektiven, die auf unterschiedliche Weise in die eigene Kindheit und religiös geprägte Vergangenheiten zurückblicken: Michal Arnheim, Adam Elezrah und Daniella Ljungsberg.
Ritual und Rebellion #1
Galerie HINTEN (+ Schaufenster Galerie Glaskasten)
Ausstellungsdauer: 8.5.26 – 12.7.26
Vernissage: 8.5.26, 19:00 Uhr, Galerie HINTEN mit Konzert von Daniella Ljungsberg
Kuration: Yoav Schutzer
Öfnnungszeiten: Fr + Sa: 18:00 - 22:00, So 15:00 - 19:00
Michal Arnheim (*1994) lebt und arbeitet in Jerusalem. Die Absolventin der Bezalel Academy of Arts erforscht in ihrer fotografischen Praxis die komplexen Schichten von Erinnerung, Weiblichkeit und Spiritualität. Aufgewachsen in einem orthodox-jüdischen Umfeld, begreift sie die Fotografie als Werkzeug der Emanzipation und Spurensuche. Sie kehrt an die Orte ihrer Kindheit – wie ihre ehemalige Synagoge – zurück, um die von starren Regeln geprägten Räume durch „erfundene Rituale“ und spielerisch-intuitive Impulse neu zu besetzen. Dabei dokumentiert sie nicht bloß die Vergangenheit, sondern übersetzt verborgene und unbewusste Prägungen in abstrakte visuelle Repräsentationen. Ihr Werk oszilliert in dem fließenden Spannungsfeld zwischen ihrer religiösen Herkunft und der von ihr heute neu definierten, spirituellen Realität.
Adam Elezrah (*1994), der kürzlich sein Meisterschülerstudium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig beendete, ist ein multidisziplinärer Künstler, dessen Praxis an der Schnittstelle von Skulptur, Installation und Performance angesiedelt ist. Seine Arbeiten speisen sich aus der intensiven Auseinandersetzung mit seiner Kindheit in einem ebenso strengen religiösen jüdischen Umfeld, in dem Aberglaube und rituelle Schutzmechanismen den Alltag bestimmten. Insbesondere die Allgegenwart von Talismanen zur Abwehr des „Bösen Blicks“ dient ihm als Ausgangspunkt, um die Prozesse der Entleerung und Reaktivierung von Objekten und deren Bedeutungen zu untersuchen. In seinen ortsspezifischen Installationen dekonstruiert Elezrah die ursprüngliche Funktion alltäglicher Gegenstände und transformiert sie durch Materialexperimente in neue Symbolträger.
Sowohl Arnheim als auch Elezrah begreifen die Rückkehr in die eigene Vergangenheit nicht als nostalgische Geste, sondern als produktiven Moment. Während Michal sich den Raum durch die Fotografie wieder aneignet, transformiert Adam ihn durch die physische Präsenz seiner Skulpturen. Beide Künstler:innen zeigen, dass Identität kein statischer Zustand ist, sondern ein permanenter Transformationsprozess – ein ständiges Oszillieren zwischen dem, was uns geprägt hat, und dem, was wir daraus erschaffen.
Begleitet wird die Eröffnung von einem Konzert von Daniella Ljungsberg. Daniella studierte New Music an der Musrara School of Arts in Jerusalem. Sie verwebt nordische Folklore mit granularer Synthese, Loops und Field Recordings zu traumhaft-mystischem Lo-Fi Ambient – auch sie nimmt uns mit auf eine klangliche Odyssee zurück zu ihren schwedischen Wurzeln und Kindheitserinnerungen. Zwischen Dream-Pop und experimenteller Nostalgie erschafft Ljungsberg eine Atmosphäre, die wie eine kollektive Erinnerung scheint – eine Einladung in eine fast geisterhafte, aber zutiefst vertraute Welt.
Diese Ausstellung wird ermöglicht durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen sowie die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S.: Startseite und mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.
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