Unter allen Ensembles für Zeitgenössische Musik ist das Züricher Ensemble Kollektiv International Totem das wahrscheinlich kurioseste. Virtuos interpretiert das junge Trio an einem Abend eine Komposition von Péter Eötvös, am folgenden lässt es, wie hier, die Instrumente einfach liegen und wagt sich, trash as trash can, in wüste multimediale Abenteuer.
THE HAMSTER AND THE DAME verlagert den Mythos der männermordenden Medusa ins Milieu eines Bordells und einer Züricher Musiker-WG. Ein wild geschnittener Film mixt Internetschnipsel mit teils handygeschossenen Einstellungen, die uns rauf auf die Alm oder in Küche und Klo und weitere private Situationen des Ensembles führen – Filmfigur und reale Person sind selten dabei unterscheidbar. In stoischer Haltung agiert die Gruppe gleichzeitig auf der Bühne, konterkariert das Geschehen des Films mit absurden Aktionen und versieht diesen gleichzeitig mit einem live improvisierten Soundtrack.
Besser nicht auch sucht man nach einer vernünftigen Erklärung des Titels dieser Aufführung, die mit jeder Erwartung an „zeitgenössische Musik“ selbstsicher auch die aller erwarteten Theaterdramaturgie durchkreuzt.
> Zur Programmübersicht: BAM! Berliner Festival für aktuelles Musiktheater 6.-10.4.2022 [https://bam-berlin.org/bam_2022_kalender]
Regie: Konposition: Léo Collin
Klangegie: Leando Gianini
Mit: Léo Collin (Performance), Kay Zhang (Performance), Nuriia Khasenova (Performance)
Eine Produktion von Kollektiv International Totem. Gefördert von Stadt Zürich, Kanton Zürich.
Gastspiel gefördert durch Pro Helvetia