FOTO: © Mikhey Lyskov, Klaus Möller, Luka Topp

beSCHÖNigen - eine thematische Gruppenausstellung.

Das sagt der/die Veranstalter:in:

beSCHÖNigen - eine thematische Gruppenausstellung zeitgenössischer Kunst zur Auseinandersetzung mit dem Unvermeidlichen und immer wiederkehrenden.

Zwischen Sehnsucht und Verleugnung, Poesie und Provokation.

 

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Geöffnet bis zum 8. März 2026

Samstag den 21. Februar um 19 Uhr Performance von SkullMari

 

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Teilnehmende Künstler:innen:

Hermann B., Fernando de Brito + Peter Nikolaus Heikenwälder, Florian Wiese, Frerike Nagels, Güde Renken, Hanna Gajare, Hannah Uhlmann + Christina Kampmann + Eva-Maria Weikert + Nora von Zahn, Ide Ha, Klaus Möller, Luka Topp, Marion Meinberg, Mikhey Lyskov, Petra Höcker, SkullMari, tomko family

 

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Zum schönen neuen Jahr fragten wir einmal nach: „Bagatellisieren die schönen Künste oder werden sie instrumentalisiert - schönfärben, schönreden, romantisieren - ist es die Ästhetik die verharmlost - frisieren wir unser Leben um es glamouröser aussehen zu lassen als es ist, brauchen wir etwas heile Welt um nicht zu verzweifeln - oder wollen wir mit schönen Momenten die Komplexität herunterspielen um Verantwortung abzugeben - oder eröffnen sie uns neue Horizonte.“ Das war unsere philosphische Ideenskizze in der Ausschreibung. Aus über 70 Einreichungen kuratierten wir 15 Antworten für die erste thematische Gruppenausstellung des Jahres:

 

 

HANNA GAJARE erforscht in den Öl-Arbeiten der Werksserie „DRIFT“ , an der sie seit bald einem Jahrzehnt arbeitet, die Grenzen zwischen realen Orten und deren imaginativer, malerischer Auflösung. Entstehende Landschaften verwandeln sich in autonome Raumgefüge, sie geraten ins Rutschen, lösen sich auf und formieren sich als schwebende, eigenwillige Räume neu.

Beeinflusst von einem familiären Flüchtlingshintergrund, der den Blick auf die Welt nachhaltig formte, auf der Suche nach Schönheit in der Welt jenseits des Sichtbaren und der Wahrnehmung dessen, was mit dem bloßen Auge nicht sichtbar ist, bewegen sich die Arbeiten zwischen Erinnerung, Sehnsüchten und dem Unsichtbaren und erzählen von Orten, die es so nicht gab und nicht gibt, die aber als innere Topografien fortbestanden.

 

SKULLMARI begreift den Titel der Ausstellung als ironisches Spiel. Ihr Beitrag zum Thema ist das Spannungsfeld zwischen dem Schönen, dem Hässlichen und dem Schmerzhaften, auch rezeptiv. Auf einem schönen, aber auch kitschigen Himmelshintergrund sind die Beine einer Frau zu sehen, die von blauen Flecken gezeichnet sind. Die Farben des Himmels lassen die Farben der Wundmale für unsere Wahrnehmung fast verschwinden. Die Irritation, auch die des algorithmischen Dilettantismus der Bildbearbeitungs-App, dem freie Hand gelassen wurde, ist gewollt.

Am 21. Februar bespielt das Duo die Räume mit der sich zwischen zwischen Reiz und Reaktion bewegenden Performance „Nonyesno“ über Missverständnissen und Ambivalenzen: Ist es immer klar was das gegenüber will? Ist man sich immer im klaren darüber, was man selbst will?

 

Die Sofortbildreihe „Geröllberge“ von HERMANN B. entstand 2021, als nach Auf-und Umräumarbeiten im Ahrtal verteilt über das geschundene Tal von Menschenhand erschaffene Aufschüttungen eine teils bizarre Landschaft schufen. Vor den herbstlich gefärbten Weinbergen erschienen sie als Teil einer landschaftlichen Idylle.

 

Die fotografische Werkreihe von MIKHEY LYSKOV beschäftigt sich mit der Reduzierung auf das selbstverständliche und alltägliche, dem Licht. Hier wird Licht als etwas Lebendiges angesehen, denn Licht bewegt sich, verschiebt sich, berührt das Papier und hinterlässt seine Spuren. Lyskov fordert dazu auf, das selbstverständliche und alltägliche wieder bewusst wahrzunehmen.

 

Um bewusste Wahrnehmung und das Annehmen geht es auch bei MARION MEINBERG in der Reihe „Du steckst nicht in meiner Haut.“ in einer stille Konfrontation mit Eingriffen, die medizinisch oder psychisch notwendig sein können. Zwischen Verletzlichkeit und Wunsch nach Perfektionierung oder „Normalität“ (?) liegt der Satz: Mein Körper gehört mir.

 

Um das Hinterfragen von Veränderungen und deren Grundlagen geht es auch, wenn auch gänzlich anders, bei FLORIAN WIESE. Man könnte sagen, so fragt er, wenn wir beschönigen fügen wir der Sache/dem Gegenstand etwas hinzu. Aber ist dem wirklich so? Oder ist es nicht seinem vermeintlichen Gegenteil (dem Schlechtreden) sehr ähnlich, indem es den Zugang zur Wahrhaftigkeit der Sache versperrt und sie damit einengt?

 

IDE HA möchte mit einer subtilen Kombination der Alltäglichkeiten in Alte Zöpfe“ zum Assoziieren einladen und fragen, welchen Dingen und Gewohnheiten wir uns zuwenden, und von welchen wir uns trennen sollten.

 

Auch die Arbeiten von LUKA TOPP zeigen, in Pastellkreide auf Leinwand, alltägliche Materialien. In diesem Falle Plastiktüten als ästhetische Phänomene. Während es einerseits um eine bewusste Neubetrachtung mit einem Fokus auf Strukturen, Reflexe und Transparenzen geht, den Blick auf Qualitäten lenkend, die im täglichen Gebrauch kaum wahrgenommen werden, wird andererseits hinterfragt, wie schnell wir bereit sind negative Aspekte auszublenden, wenn uns etwas visuell verführt.

 

Der zweite Blick beschäftigt auch KLAUS MÖLLER. Mit den Bildern der verwelkten Blumen, die auf dem heimischen Küchentisch stehen, versucht er  "ein Loch in eine paradoxe Alltagspraxis zu bohren“: Die selbstverständlich scheinende Verbindung von Natur und Schönheit zeige ein menschliches Bedürfnis. Es zeigt aber vielleicht auch, dass eine echte Begegnung mit der Natur vermieden wird, weil sie mit einem Kontrollverlust verbunden sein könnte.

 

Gegenüberstellungen durchziehen die Arbeiten von HANNAH UHLMANN. Was bleibt von Handarbeit und Care, wenn das Material selbst nicht mehr vorhanden ist?  Ein handgehäkeltes Textil mit dem Wort „soft“, einer Technik, die mit Fürsorge, Wiederholung und körperlichem Wissen verbunden ist, wird in Porzellan eingetaucht und gebrannt. Was bleibt, ist eine fragile Hülle, die nur noch die Struktur bewahrt.

Einer weitere Gruppenarbeit zusammen mit CHRISTINA KAMPMANN, EVA-MARIA WEIKERT und NORA VON ZAHN thematisiert historisch unsichtbare Care-Arbeit und dessen geschlechtsspezifische Ausbeutung und positioniert Stricken neu als politisches und künstlerisches Medium, das traditionelle Rollenbilder bricht und soziale Verbindung schafft.

 

FERNANDO DE BRITO und PETER NIKOLAUS HEIKENWÄLDER befassen sich beide in ihren Arbeiten „en passant" und „compressed romance“ mit der Korrektur oder eben dem Beschönigen von gegebenen Zuständen. De Brito überarbeitet hierfür zeichnerisch gedruckte Meisterwerke und gibt diesen Werken somit ein neues eigenes Gesicht. Heikenwälders Scans von gepressten Blumen unternehmen so etwas wie einen Reanimationsversuch und erreichen so zumindest kurzfristig auf den ersten Blick etwas Lebendiges. Beiden Serien liegt mit der florale Thematik etwas natürlich Schönes zugrunde, was aber vor den künstlerischen Eingriffen von de Brito und Heikenwälder schon einen Eingriff erlitten hat. Vielleicht sind es gelungene Korrekturen, oder eben Beschönigungen.

 

PETRA HÖCKERs künstlerische Praxis beschäftigt sich mit den Themen Verletzlichkeit und Transformation. In Gemälden, Objekten und Installationen untersucht sie die grundlegenden Zustände des Menschseins und legt Schichten von Körper und Seele frei. Dabei werden schützende Hüllen entfernt, um innere Zustände und Prozesse sichtbar zu machen. Diese Tiefen des Inneren finden Ausdruck in Formen, Materialien und Gesten. Das Ergebnis ist oft roh, fragmentarisch und entsteht aus einem Zusammenspiel von expressiven Ausdrücken und kontrolliertem Zufall.

 

Im Diptychon „cut the lawn together“ von GÜDE RENKEN geht es um glattgebügelte Außenwelt, um Ordnung und Kontrolle, wo eigentlich Wandel und Ungewissheit herrschen. Der akkurat gemähte Rasen und die zufriedene Beobachterin stehen für ein Bedürfnis nach Perfektion und Stabilität im Alltäglichen und stehen im Widerspruch zum Wilden und Ungeordneten, das sich auch im Strich zeigt, und zugleich lebendiger wirkt.

 

FRERIKE NAGELS schreibt  zu ihren Objekten „Begegne mir nicht auf dem Nachhauseweg oder wechsel halt die Straßenseite“ aus Stoff und Keramik „Ich schließe die Tür ab und drehe mich um. War da jemand oder ist das nur ein Schatten? Mein Schlüsselbund und meine Küchenmesser wirken als Schnittstelle zwischen meinem Zuhause und der Öffentlichkeit.“

 

Auch Drohnen können Manches: Drohen, Spionieren und Bombardieren sowieso. Vielleicht auch: Lieben. Die TOMKO FAMILY bewarb sich mit der Reihe „drones of ...(...maybe love)“ gerade weil ihr deutlich wurde, das der Titel ihrer Arbeit als unangemessene Beschönigung gewertet werden muss, und geht mit Papierschnitten in den öffentlichen Raum.

ware-Software-Plattform, die Piezoelemente als Klangquellen nutzt und mit zwei Mikrocontrollern arbeitet. Ursprünglich in Zusammenarbeit mit Sergey Kostyrko für das interdisziplinäre Projekt ПУСТ* entwickelt, wurde er seither in Performance-Kontexten eingesetzt und wird nun erstmals im Installationsmodus im Rahmen einer Gruppenausstellung präsentiert.

 

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Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an; wenn Sie Durst haben, auch. Wir bieten nichts an, was wir nicht auch selber trinken würden, Getränke sind gegen Spende erhältlich. Der Eintritt ist frei, weil jeder Zugang zu Kultur haben soll. Sie dürfen allerdings gerne welchen spenden, wenn Sie den sonst auch honorieren. Wir konzipieren diese Ausstellungen und betreiben diesen Raum, weil wir es wichtig finden, dass es konstante und anspruchsvolle Positionen zwischen staatlichen Museen und kommerziellen Galerien einerseits und wechselnden Plattformen für Nachwuchskunst andererseits gibt - zum einen, um Kunstschaffende besser zu fördern, zum anderen, um eine lebendigere Kultur für den Dialog von Kunst und Gesellschaft zu schaffen. Wir mischen Etablierte mit Beginnenden. Was uns interessiert, ist die Qualität und das Potential. Wenn sie diese Arbeit unterstützen möchten, sprechen sie uns gerne an - oder empfehlen uns einfach weiter.

Die Erzählungen dieser Ausstellung wurden geschaffen von den Künstler:innen. Die Textredaktion hatte Gerald Chors.

 

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Laufzeit:                                               

Donnerstag, 5. Februar 2026 bis Sonntag, 8. März 2026

 

Öffnungszeiten:

Samstags, Sonntags, Montags und Dienstags 18 - 21 Uhr (und n. V.)

 

Vernissage:

Donnerstag, 5.2.2026 um 19 Uhr

 

Finissage:

Sonntag, 8.3.2026 11 - 16 Uhr

 

Sondertermin:

Performance SkullMari am Samstag, 21.2.2026 um 19 Uhr

 

Ort:                                                         

xpon-art gallery                                               

Repsoldstraße 45                                             

20097 Hamburg

www.xpon-art.de                                              

 

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Über abweichende Öffnungszeiten informieren wir Sie auf unserer Homepage, unserem Instagram Account @xponartgallery und unserer Facebook Seite facebook.com/xponart

 

Nach der Ausstellung werden, insbesondere auch für diejenigen interessant, denen ein Besuch nicht möglich ist, 360°-Ansichten auf der Homepage eingepflegt.

Wir bitten, trotz allem an Corona und die Grippewelle zu denken und sich entsprechend zu verhalten.

 

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Mit freundlicher Unterstützung der Behörde für Kultur und Medien Hamburg

 

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Preisinformation:

Der Eintritt ist frei, weil jeder Zugang zu Kultur haben soll. Sie dürfen allerdings gerne welchen spenden, wenn Sie den sonst auch honorieren. Getränke sind gegen Spende erhältlich. Wir bieten nichts an, was wir nicht auch selber trinken würden. Wir konzipieren diese Ausstellungen und betreiben diesen Raum, weil wir es wichtig finden, dass es konstante und anspruchsvolle Positionen zwischen staatlichen Museen und kommerziellen Galerien einerseits und wechselnden Plattformen für Nachwuchskunst andererseits gibt - zum einen, um noch nicht etablierte Kunstschaffende besser zu fördern, und zum anderen, um eine lebendigere Kultur für die Kommunikation zwischen Kunst und Öffentlichkeit zu schaffen.

Location

xpon-art gallery Repsoldstraße 45 20097 Hamburg

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