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Buchpremiere mit Yade Yasemin Önder und Anke Stelling

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Anti Müller ist kein Liebesroman. Es ist eine schonungslose Analyse verkrusteter Strukturen und ihrer sanften Vollstrecker, unter deren lackierten Nägeln noch immer der Schmutz des Patriarchats lauert. Mit großer poetischer Präzision seziert Yade Önders Erzählerin die Mechanismen moderner Beziehungen sowie eines vermeintlich feministischen Kulturbetriebs, der nach wie vor den Männern die Regie überlässt. Über die Bühnen. Und über die Körper. Durch den Abend führt Anke Stelling.

Es ist aus mit Kar Kauz. Mit 36 Jahren steht die Protagonistin vor den Trümmern ihrer Beziehung zu dem gefeierten Autor, der ihren Kinderwunsch jahrelang ignorierte. Auf Tinder versucht sie, sich Ablenkung zu verschaffen. Doch mit dem hedonistischen Schauspieler Andi schlittert sie direkt in die nächste Katastrophe. Der hat nicht nur schon Zwillinge, sondern auch eine Ex, die eines Morgens überraschend im Schlafzimmer steht.

Die Sehnsucht nach einem Kind steigert sich in eine alles verzehrende Obsession. Als die Beziehung zu Andi scheitert, ihr Roman nicht so einschlägt wie erhofft, und auch weitere Dates nicht zielführend sind, fasst sie einen drastischen Entschluss: Jetzt erfüllt sie sich ihren größten Wunsch einfach selbst. Auch, wenn das bedeutet, zur Täterin zu werden.

Anti Müller ist ein Gesellschaftsroman über schöne Künste mit schaurigem Beigeschmack, identitätspolitische Graben-kämpfe und über den moralischen Bankrott pseudosanfter Gegenwartsmänner, unter deren Fingernägeln noch immer der Schmutz des Patriarchats klebt.

Yade Yasemin Önder absolvierte ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg und studierte anschließend an der HU Berlin, dem Deutschen Literaturinstitut Leipzig und der UdK Berlin. Ihr Theaterstück »Kartonage« feierte 2017 am Wiener Burgtheater Premiere. Zu ihren Auszeichnungen zählen der open mike (2018), der Martha-Saalfeld-Förderpreis (2019) sowie Stipendien des Berliner Senats und der Kulturakademie Tarabya Istanbul (2020/2021). 2022 erhielt sie den Debütpreis der lit.Cologne für ihren Roman »Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron«.

Anke Stelling, geboren 1971 in Ulm und in Stuttgart aufgewachsen, studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und veröffentlichte mehrere Romane. »Bodentiefe Fenster« (2015), »eine zutiefst sarkastische und tieftraurige Abrechnung mit den Idealen der westdeutschen Nachkriegszeit« (Zeit Online), stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Es folgten »Fürsorge« (2017) über eine Mutter, die ein Verhältnis mit ihrem bei der Großmutter aufgewachsenen Sohn beginnt, und »Schäfchen im Trockenen« (2018), dessen Hauptfigur Resi den Zerfall ihrer Clique beschreibt. 2019 erhielt Stelling für ihr literarisches Schaffen den Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg. Zuletzt erschien von Stelling ein Essay für den Sammelband »Selbst schuld!« (2024), ein Manifest kritischen Denkens für die Gegenwart. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Berlin.

(c) Julia Sellmann

Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit Ullstein.

Location

Pfefferberg Haus13 Schönhauser Allee 176 10119 Berlin

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