Neapel, diese charakterstarke Stadt in Süditalien, pulsierend, rasant und mit einem einmaligen Flair. Graffiti ist allgegenwärtig; überall. Nur wenige Räume bleiben davon verschont. Für Außenstehende wirken sie alle gleichermaßen „beschmiert“, ein genauer Blick offenbart jedoch schnell, dass hier unterschiedliche Akteure aktiv sind. Wer sind diese Leute und was treibt sie an? Was passiert unter ihren Fingern und warum?
Markus Lenz portraitiert Menschen, die sich eigentlich nicht für Kameras interessieren, sie weder suchen, noch präferieren. Sie wollen unerkannt sein, zumindest als Personen; zeigen möchten sie lediglich ihre Bilder. Doch Markus Lenz gelingt genau das, er lässt sie alle zu Wort kommen; und genau darin liegt die Stärke des Films. Sie sprechen über ihre Motivationen, ihren Anspruch und warum sie Wände, Züge und die Stadt im Gesamten als ihren Ausdrucksort gewählt haben. Junge Leute, die sich auf das Bemalen von Zügen spezialisiert haben und das Nahverkehrssystem mit ihren Namen überziehen und selbst mit denen befreundet sind, die die Züge wieder reinigen. Ein junger Künstler, der die Stadt mit Grafiken, Postern und Malereien kommentiert, vergängliche Arbeiten, die in ihrer Ästhetik auch in Galerien zu finden sein könnten, jedoch konsequent außerhalb des White-Cube präsentiert werden. Und ein Vertreter der Ultras des Fußballclubs SSC Neapel. Laut eigener Aussage hat er noch nie mit jemanden darüber gesprochen, was es für ihn heißt Ultra zu sein, mit dem SSC im Herzen, und mit einem Gruppenamen und – ‚Logo‘, welche in der ganzen Stadt zu sehen sind.