Ab Mitte der 1980er-Jahre forderten in der Sowjetunion mehr und mehr Menschen die Aufarbeitung der Verbrechen des kommunistischen Regimes und die Anerkennung seiner Opfer. Die Aufklärung und Erinnerung der jahrzehntelangen Geschichte staatlicher Repression und des Terrors, der Massenerschießungen und des Gulag-Systems galt als Voraussetzung für die angestrebte demokratische Verfassung von Staat und Gesellschaft.
Nach der Gründung der Internationalen Gesellschaft für historische Aufklärung, Menschenrechte und soziale Fürsorge MEMORIAL 1989 begannen die über die Sowjetunion verteilten Memorial-Organisationen, Zeugnisse und Erinnerungen Überlebender zu sammeln und die Geschichte der staatlichen Gewalt zu dokumentieren. Es entstand die weltweit größte Sammlung zur Dokumentation der staatlichen Verbrechen in der Sowjetunion.
MEMORIAL trat und tritt auch für den Schutz und die Rechte staatlich diskriminierter und bedrohter Gruppen ein und hat seit dem ersten Tschetschenienkrieg (1994–1996) Informationen zu russischen Kriegsverbrechen gesammelt. Seit 2009 dokumentiert Memorial politische Gefangene in Russland. Nach der gewaltsamen Annexion der Krim 2014 verstärkte das Putin-Regime seine Attacken auf die demokratische Zivilgesellschaft und klassifizierte 2016 die Dachorganisation von MEMORIAL – Memorial International – als „ausländischen Agenten“. Die behördliche Auflösung folgte im Dezember 2021.
Trotz Repression und Verhaftungen setzt MEMORIAL die Arbeit für ein demokratisches Russland fort und tritt der staatlichen Desinformation und Propaganda entgegen. Im Dezember 2022 wurde MEMORIAL mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, gemeinsam mit dem ukrainischen ZENTRUM FÜR BÜRGERLICHE FREIHEITEN und dem belarussischen Menschenrechtsaktivisten Ales Bjaljazki.
Die Ausstellung „Das andere Russland“ präsentiert in zehn Kapiteln schlaglichtartig die Geschichte MEMORIALS und gibt einen Einblick in die bedrohten und versteckten Sammlungen der Organisation.
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