Die letzte Kinoarbeit von Bernhard Wicki spielt vor 100 Jahren im Jahr 1923 und bietet ein sehr genaues Zeitporträt in diesem Film über einen skrupellosen, rechtsnationalen Opportunisten:
DAS SPINNENNETZ
DEU 1989 R: Bernhard Wicki. D: Ulrich Mühe, Klaus Maria Brandauer, Armin Mueller-Stahl, Andrea Jonasson. 196 Min. FSK: 16
Theodor Lohse, 1918 Leutnant der kaisertreuen Truppen, verdient fünf Jahre später sein Geld als Hauslehrer in einer jüdischen Bankiersfamilie, versucht aber vor allem, sich in nationalen Kreisen hochzudienen. Als Spion einer rechtsextremen Geheimorganisation kundschaftet er eine kommunistische Künstlergruppe aus. Lohse sieht seine Chance gekommen, doch noch militärische und politische Karriere zu machen. Dafür ist er bereit, auch über Leichen zu gehen – nur der Doppelagent Lenz, der Lohses Lebensweg akribisch verfolgt, könnte ihm in die Quere kommen.
Bernhard Wicki (DIE BRÜCKE) erzählt detailgenau vor dem Hintergrund unterschiedlicher Lebenswelten im Inflationsjahr 1923 von einem haltlosen Opportunisten und von einer Gesellschaft auf dem Weg in den moralischen Bankrott: im November, als Lohse vom Münchner Hitlerputsch erfährt, ist er natürlich schon Mitglied der NSDAP. „In einem breiten Bilderbogen entwirft Wicki anhand der Karriere eines typischen Mannes ohne Eigenschaften eine Zeitgeschichte der schrecklichsten Eigenschaften.“ (Süddeutsche Zeitung 1989)
DAS SPINNENNETZ, nach dem Roman von Joseph Roth, wurde vielfach ausgezeichnet.
In Kooperation mit dem Aktionsbündnis „Wir zahlen nicht für Eure Krise!“