FOTO: © Maximilian König

Der Assistent live at Westgermany - Ultramarin Releaseparty and Concert

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Mystery, Crime und Amore: Das sind die Zutaten für Ultramarin, das neue Konzeptalbum von Der Assistent alias Tom Hessler. Nach dem fiebertraumhaften Tropicalismo-Trip Amnesie am Amazonas erkundet er auf seinem dritten Album die entspanntesten Genres der frühen 90er Jahre. Getreu dem Credo: „There is nothing more 80s than the early 90s.“
In acht Liedern zwischen Yacht Pop, Balearic und Downbeat segeln die Hörer*innen mit dem Assistenten und einer Bande von Doppelgängern über stürmische Seelenmeere gen Total Confusion.
Eben noch erholt sich der Assistent von seinem letzten Abenteuer, da stört der Scirocco seine Insel-Idylle. Es heißt, der Wüstenwind könne die Menschen in den Wahnsinn treiben… Geht es hier noch um ein Wetterphänomen, oder um die Dystopie am Horizont? Noch in der „Morgenkluft“ verrammelt der Assistent Türen und Fenster und offeriert uns „ein Ticket pro Person für die parallele Dimension“. Zu Dancehall-Bass und nostalgisch-entrückter Klaviermelodie raunt er von psychedelisch-schwofenden Zedern und Pinien: „weil auf der Insel alles geht, wenn der Scirocco weht“.
Abkühlung bringt der Downbeat-Titelsong Ultramarin. Auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch träumt der Assistent mit den Situationist*innen von einer anderen Welt: „Unter dem Asphalt, der Strand. Sous les pavés, la plage.“ Denn wie sagte es schon Yves Klein: Im Blau wird „das Unsichtbare sichtbar“. Doch darf ein Refrain aus nur einem Wort bestehen? Mit Ultramarin schwelgt der Assistent in der Melancholie des tiefen Blaus, vertont als Chill-Out-Track, der einer frühen Café-del-Mar-Compilation entsprungen sein könnte. Blauer wird es nicht – bis ein mysteriöser Mann am Telefon aufkreuzt. Die erste Single-Auskopplung oszilliert zwischen Reggae-gespicktem Yacht-Rock und NDW, bis sie nach drei Minuten in einer kitschigen Titelmelodie versandet. Der junge Vangelis streicht sich an dieser Stelle zumindest wohlwollend durch den Rauschebart. „Wer ist der Mann am Telefon?“, schluchzt der Assistent. Eins ist klar: Er sucht nach Verbundenheit in Zeiten der kollektiven Spaltung. Und so steckt vielleicht ein kleiner Mensch am Telefon in vielen von uns.
Es folgt das Remake der ersten Assistenten-Single Neue Lunge, die, wenige Wochen vor dem ersten Lockdown veröffentlicht, wegen des ungewollt polarisierenden Titels von diversen Radio-Playlisten gestrichen wurde und verpuffte. Immer noch aktuell geht es hier um grassierende Angst, falsche Propheten und eine fatalistische Erkenntnis: „Wir haben keine Zukunft, wir haben nur uns“.
Für den Assistent zerfließt derweil die Grenze zwischen Alptraum und Realität immer mehr. Wie der paranoid-schizophrene Erzähler im Spätneunziger-Thriller Fight Club seinem Widersacher Tyler Durden hinterher irrt, so muss auch der Assistent schmerzlich feststellen, dass ihn ein vermeintlicher Doppelgänger ein aufs andere Mal in die Bredouille bringt. Wie Philipp Marlowe in einem Chandler-Krimi folgt er dem charismatischen Widersacher durch eine „unsichtbare Tür“ in einen Hinterhalt. Er dreht sich um, „und es macht Bumm.“ Ausgeknockt wird der Assistent auf eine Geister-Yacht im Meer verfrachtet.
Kein Doppelgänger weit und breit, weshalb Der Assistent und das zweite Ich zwei Minuten ohne Gesang auskommen muss. Eine heitere Fahrstuhlmusik, die mit schwerem Inhalt überrascht: Selbst der verzweifelte Versuch, den Widersacher in Gainsbourg-Manier auf Französisch zu bezirzen, verhallt im Nichts – das Lamento „Warum liebst du mich nicht?“ bleibt unbeantwortet. Denn das finstere Alter Ego ist längst auf dem Weg „ins Herz der Dunkelheit im Mitternachtexpress“ (Voyage, Voyage). Wird sich der Assistent mit dem Anteil seines Selbst versöhnen, der ihn zerstören will? Oder ist sein Ende bereits vorbestimmt?
Die üppige Sophisti-Pop-Ballade Total Confusion lässt die Antwort offen. Ist der Assistent nur eine erdachte Figur in einem perfiden Spiel? „Wer bist du, hast du mich erfunden?“, fragt er den Textdichter, um schließlich zu resignieren: „Ich jage meinen Schatten“. Das Lied endet mit einer elegischen Saxophon-Improvisation des Gastmusikers Julius Gabriel, die im strömenden Regen verhallt – eine Reminiszenz an den Androiden Roy aus Philip K. Dicks literarischer Vorlage zum Film Bladerunner. Im strömenden Regen resümiert Roy unmittelbar vor seinem Ableben: „All of these moments will be lost in time, like tears in the rain“.
Der Assistent spielte live bereits vor u.a. Eddie Chacon, John Carrol Kirby Septet und The Zenmenn, sowie auf der Nacht Digital, im Brüsseler Kiosk Radio, der „Masa Sonora“ in Lissabon und im Züricher Elektronika-Club Kauz. Ultramarin wurde geschrieben, aufgenommen, produziert und gemischt von Tom Hessler zwischen Spätsommer 2025 und Frühling 2026. Berend Intelmann spielt Schlagzeug und Julius Gabriel alle Blasinstrumente. Nach dem selbst betitelten Debut und dem Nachfolger Amnesie am Amazonas (erschienen auf Vinyl und digital 2023 und 2024 auf Papercup Records) ist Ultramarin die erste Veröffentlichung auf Tom Hesslers eigenem Label (ebenfalls: Ultramarin). Das Album erscheint auf Vinyl und digital am 19.06.2026 via The Pusher. Am selben Tag gibt es das Releasekonzert mit exklusiven Gastperformances und tollen Djs im Berliner West Germany am Kotti.

Preisinformation:

Tickets inkl. VVK. Gebühr

Location

West Germany Venue Skalitzer Str. 133 10999 Berlin

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