Nach dem Roman "Die vierte Wand" von Sorj Chalandon
1982. Als Georges das erste Mal in den Libanon reist, hat er große Pläne. Ausgerechnet mitten im Bürgerkrieg soll die „Antigone“ zur Aufführung kommen. Das Theater soll alle Fronten überwinden und eine Stunde Frieden schaffen. Das ist die Idee.
Auf diese Utopie schwört ihn sein Mentor ein, der, schwer erkrankt, die große Vision nicht mehr selbst umsetzen kann. Egal, dass der Franzose bis auf einen Besuch im Schwarzwald noch nichts von der Welt gesehen hat. Georges nimmt an, verabschiedet sich von seiner Familie und steigt im Februar 1982 ins Flugzeug auf die andere Seite des Mittelmeers. Aber als der Lehramtsstudent, Aktivist, Hobbyregisseur und junge Vater im zerrütteten Beirut landet, ist nichts so wie erwartet.
Es gelingt ihm zwar tatsächlich, ein Ensemble zusammenzubringen. Aber nachdem er eine Bombardierung und Schatila nach dem Massaker erlebt hat, kehrt er zwar scheinbar heil nach Frankreich zurück, in sein altes Leben zurückzufinden gelingt ihm allerdings nicht mehr. Die vierte Wand, die unsichtbare Grenze, die im Theater Bühnengeschehen und Zuschauer voneinander trennt, ist zersprungen.
Ein transkulturelles Projekt über den libanesischen Bürgerkrieg und die gegenwärtige Lage im Land. Über den Krieg in jedem von uns, über problematische Männlichkeit und die Sache mit der Gewalt, über postkoloniale Un-/Gleichzeitigkeit und Traumafolgen.