Dishwasher_ sind die jüngsten Vertreter einer weiteren neuen Welle von Talenten der fruchtbaren belgischen Groove- und Jazzszene.
Das vielbeachtete, selbstbetitelte Debütalbum von Dishwasher_ aus dem Jahr 2023 ist eine Zeitkapsel kollektiver Energie: in einem Atemzug aufgenommen, genährt von wöchentlichen Jams und der stillen Konzentration des Lockdowns.
Das Nachfolgealbum, am 31. Oktober 2025 beim Amsterdamer Label DOX Records erschienen, schlägt einen anderen Weg ein: Anders als die spontane Energie des Debüts wurde Anemoia aus Ideen gebaut, die zunächst in Isolation entstanden. Erst im Proberaum wurden diese Ideen aufgebrochen, verzerrt und neu zusammengesetzt.
Eine Suche – aber gerade deshalb umso befriedigender, wenn diese auseinanderstrebenden Welten wieder zu einem Ganzen verschmelzen. Das Ergebnis? Jazz fließt in Krautrock, New Wave trifft auf irischen Folk, und minimalistische Motive wachsen zu weiten, modulierten Klanglandschaften heran. Die Klangpalette ist warm und analog, zugleich aber seltsam und aus einer anderen Welt. Sie bewegt sich irgendwo zwischen Erinnerung und Halluzination – genau jenem eigentümlichen Gefühl, das der Titel andeutet. Entnommen aus dem Dictionary of Obscure Sorrows bedeutet Anemoia eine Nostalgie für eine Zeit, die man nie erlebt hat.
Zunächst klingt das vielleicht etwas distanziert, doch es lauert in jeder Generation: Teenager, die sich kleiden, als wäre es wieder die 2000er; die Rückkehr der VHS-Ästhetik, um die 90er zu fühlen; Dreißigjährige, die eine warme Sehnsucht nach den 80ern verspüren, die sie nur aus alten Fernsehbildern kennen. Anemoia übersetzt all das in Klang: warme, analoge Synthesizer, körnige Pedal-Effekte, die an abgenutzte Filme und Retro-Games erinnern, und Melodien, die im Kopf bleiben wie halb geformte Erinnerungen. Die Platte verströmt eine Nostalgie, die ebenso tröstlich wie befremdlich ist.
Dishwasher_ gründete sich 2019. Nachdem die Band sofort tief in die Live-Szene eingestiegen war, gewann sie unter anderem beim Sound Track im Jahr 2021 und Jazz Talent Ghent im Jahr 2022 und ist seitdem in ganz Europa unterwegs.
Werend Van Den Boscche – Saxofon, Synths, Fx
Louise van den Heuvel – Bass
Arno Grootaers – Drums
Solidaritätszuschlag. Zahl, was Du kannst. Empfohlen 15 – 25 €
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