Das sagt der/die Veranstalter:in:
Wenn Ellen Fullman das von ihr entworfene Long String Instrument spielt, ist es, als würde sie zwischen den Saiten eines gigantischen Flügels spazieren gehen. Die amerikanische Komponistin, Performerin und Instrumentenbauerin bewegt sich zwischen Reihen von über zwanzig Meter langen Saiten, versetzt diese mit ihren Fingerspitzen in Schwingung und bringt auf diese Weise architektonische Räume auf der ganzen Welt zum Klingen.
Seit über 40 Jahren fordert Ellen Fullman mit ihren performativen Klanginstallationen wie dem Long String Instrument (LSI) Genregrenzen heraus. Inspiriert wurde sie bei ihrer Suche nach neuen Klängen von den Metallwerkstätten während ihres Studiums der Bildenden Kunst, den minimalistischen Performances des Judson Dance Theaters und den Kompositionen Alvin Luciers. Dieser bemerkt in seinen musikbiographischen Notizen Music 109, dass das Long String Instrument auch eine klingende Rauminstallation der Musikgeschichte und Theorie sei. Denn Fullman beschäftigt sich intensiv mit Stimmungen und mathematischen Verhältnissen: Das LSI konzipierte sie in reiner Stimmung (Just Intonation), deren Intervalle und Obertöne sich von der – den westlichen Ohren geläufigen – wohltemperierten Stimmung unterscheiden.
Körper, Bewegung und Raum bestimmen die faszinierenden Harmonien in Fullmans Kompositionen – die Räume werden dabei zu eigensinnigen Mitspielern, denen Fullman intuitiv begegnet. Einen besonderen Einfluss auf den Klang haben auch die Saitenlängen des Long String Instrument, die im Unterschied zu Violinen oder Gitarren variieren. „Beim Streichen in Längsrichtung und beim gleichzeitigen Spielen mehrerer Saiten erklingen die Obertöne in unterschiedlichen Zeitintervallen. Das ist zu komplex, als dass es sich abbilden oder vorhersagen ließe, doch es erzeugt einen sehr interessanten Klang.“
Für MaerzMusik 2026 setzt Fullman ihre Erforschung des Long String Instrument fort – diesmal gemeinsam mit dem JACK Quartet. Als Ausgangspunkt dienen der Komponistin Aufzeichnungen ihrer eigenen Klangproduktion, aus denen sie die Stimmen des Quartetts entwickelt. Das Zusammenspiel erlaubt immer wieder neue Filterungen, Modulierungen und Ausschmückungen, die in Fullmans Komponieren für sich stehen, aber dennoch kein Selbstzweck sind: „In meiner Musik möchte ich die physikalischen Zusammenhänge der Saitenschwingungen sichtbar machen, um das Bewusstsein für die Schönheit der Struktur des Universums zu wecken, in dem wir leben.“
Programm
Ellen Fullman
Energy Archive 4 (2026)
für Long String Instrument und Streichquartett
Uraufführung
Besetzung
Ellen Fullman – Long String Instrument
JACK Quartet
Christopher Otto – Violine
Austin Wulliman – Violine
John Pickford Richards – Bratsche
Jay Campbell – Violoncello
Preisinformation:
Eintritt frei, kostenloses Ticket erforderlich.
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