Die Europäische Union, so Ivan Krastev, wurde auf der Grundlage der Angst vor der Vergangenheit errichtet. Heute fürchtet Europa die Zukunft. Das ist der Kern unserer Krise: Demokratie funktioniert nur, solange die Zukunft als offen und gestaltbar gilt, nicht als Bedrohung. Wo dieser Glaube schwindet, verliert die Demokratie ihre unsichtbarste, aber entscheidende Institution.
Der bulgarische Politikwissenschaftler Ivan Krastev, Leiter des Centre for Liberal Strategies in Sofia und Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien, zählt zu den einflussreichsten politischen Denkern Europas. In seinen Essays (zuletzt: „Is It Tomorrow Yet?“) analysiert er den demokratischen Verfall und globale Machtverschiebungen.
Die phil.COLOGNE eröffnet er mit der entscheidenden Frage: Wie lernen Demokratien, die Zukunft wieder zu bewohnen? Übers.: Norbert Heikamp, Mod.: Wolfram Eilenberger