Fliehende Stürme
Wenn der eigene Bandname immer wieder als Referenz in anderen Bandbiografien auftaucht, um Anhaltspunkte zu geben, man selber aber nicht „klingt wie“, dann hat man einen eigenen Sound geschaffen, den andere gerne erreichen würden.
Fliehende Stürme taucht dabei ausschließlich in Verbindung mit anderen Bandnamen auf, denn keine andere Band klingt derzeit so, und selbst eine Coverband hätte es schwer nach der Transformation, die irgendwann in den frühen 80ern von CHAOS Z zu FLIEHENDE STÜRME stattfand, diesen Sound aus seinen einzelnen Bestandteilen auch nur annähernd identisch nachzubauen.
Die Zutaten sind kein Geheimnis: Deutsche Texte, obwohl es sich auf englisch sicher gewichtiger anhören würde, ein eigenwilliges und unverkennbares Gitarrenspiel, unverwechselbarer Gesang, ein Schlagzeug, das mehr als nur Rhythmusgeber ist, zielgerichtet eingesetzte Synthesizersounds und ein Bass, der ebenfalls sein Eigenleben hat. Alles trägt eine klare Handschrift, ist vordergründig unaufgeregt, aber trotz aller Melancholie stets rau, aggressiv und tritt musikalisch auch nach so langer Zeit mit stetig kleinen Schritten nie auf der Stelle.
Melancholie und Hoffnungslosigkeit, im Kleinen wie im Großen, wozu den Kopf hängen lassen, wenn es ohnehin kein Entrinnen gibt? Schatten, Dunkel, Chaos, dem mit hocherhobenem Kopf begegnet wird, statt die Schultern hängen zu lassen und in Selbstmitleid zu versinken, das war, das ist und das bleibt Punk, denn wo andere längst aufgeben, tanzen wir weiter. Ja, Hoffnungslosigkeit und Scheitern kann so schön sein.
Heute wird oft gerne der Begriff Post-Punk verwendet, weil alles irgendwann einmal „Post“ ist, aber wenn das bei Fliehende Stürme greifen sollte, dann im Geiste der ganz frühen 80er, als Post-Punk alles sein durfte, nur nicht eindimensional.
Mit dem unverkennbaren Soundkosmos und den klaren Texten, die stets greifbar bleiben und nie abgedroschen wirken, haben Fliehende Stürme sich über die Jahre eine hingebungsvolle Fangemeinde erspielt, die szeneübergreifend funktioniert und bei genauem Hinsehen ein „buntes“ Publikum anspricht, schließlich gibt es viele Abstufungen von Schwarz.
Peppone
Hier kommt was geileres aus Magdeburg als Tokio Hotel oder das ewige Gequatsche über Sinn und Unsinn geplanter Chipfabriken - DIE NEUE PEPPONE! Mit „Genug Gesehen“ legt die Band ihre neue LP vor. Und was viele Labels stereotyp über den neuen Output ihrer Bands schreiben müssen, trifft hier ausnahmsweise den Nagel auf den Kopf - nein, nicht den von Muff Potter, obwohl…
PEPPONE gehören zu den ganz wenigen Bands, welche mit jedem Album besser werden. Vier Jahre nach „Beste Aussichten“ veröffentlichen PEPPONE „Genug Gesehen“ - zeitgleich und auf demselben Major Label wie ihre Kollegen von BEN RACKEN. Sachsen- Anhalts Landeshauptstadt zeigt sich somit als wahres Epizentrum von düsterem und interessantem deutschsprachigen Post-Punk. Insgesamt wirken Peppone auf „Genug Gesehen“ etwas stürmischer, kantiger und temporeicher, ihr düsterer Punk ist gleichzeitig hochmelodisch und wurde in der Vergangenheit nicht zu Unrecht oft in einer Ecke mit bekannten Mönchengladbacher und Gießener Bands verortet. „Genug Gesehen“ ist ein echtes Highlight des deutschsprachigen Postpunk.