FOTO: © @Landeszentrale für politische Bildung

Geopolitische Verantwortung – BRICS und die Neuordnung der Welt

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Diskussionsrunde mit Publikumsgespräch 

Auftaktveranstaltung der fünfteiligen Veranstaltungsreihe zur globalen Neuvermessung 

BRICS: ARCHITEKTEN EINER NEUEN WELTORDNUNG?
Vom belächelten Verbund zum geopolitischen Machtzentrum

Die BRICS-Staaten sind zu einem zentralen Akteur in einer Welt geworden, die sich von einer unipolar-westlichen zu einer multipolaren Ordnung wandelt. Das übergeordnete Ziel der Gruppe ist die Forderung nach einer grundlegenden Reform der globalen Governance-Strukturen, wie den Vereinten Nationen und den Bretton-Woods-Institutionen, um die westliche Dominanz zu überwinden und eine gerechtere Machtverteilung zu erzielen. Die Länder Brasilien und Indien streben beispielsweise einen permanenten Sitz im UN-Sicherheitsrat an. Südafrikas Sonderbotschafter Anil Sooklal betont die Notwendigkeit einer grundlegenden Reform der Weltordnung.

Trotz dieser ambitionierten Rhetorik ist die interne Struktur der BRICS-Gruppe bemerkenswert lose. Sie ist ein Staatenverbund ohne gemeinsames sicherheitspolitisches Verständnis. Anders als formelle Organisationen wie die G7 oder die EU verfügt die Gruppe über kein formelles Statut, keinen eigenen Haushalt und kein permanentes Sekretariat. Die Präsidentschaft rotiert jährlich, was die Verfolgung einer kohärenten, langfristigen Agenda erschwert. Dieser grundlegende Mangel an interner Kohäsion steht in einem bemerkenswerten Gegensatz zu den externen Forderungen nach einer umfassenden Reform der Weltordnung. Eine Gruppe, die selbst keine robuste institutionelle Struktur besitzt, strebt danach, die institutionell gefestigten globalen Governance-Strukturen fundamental umzugestalten. Dies lässt vermuten, dass die BRICS-Bestrebungen weniger auf der Fähigkeit zu einer straffen Organisation als auf der symbolischen Kraft einer vereinten Stimme des Globalen Südens beruhen. Ihre geopolitische Macht liegt in der Demonstration ihrer kollektiven Unzufriedenheit und der potenziellen Schaffung einer alternativen Ordnung.

Ein Land wie Brasilien illustriert die Komplexität dieser geopolitischen Dynamik. Als Brückenbauer zwischen dem Globalen Süden und den etablierten Industriestaaten möchte es seine Interessen selbstbewusst vertreten und in einer komplexen Weltordnung auf Augenhöhe agieren. Das Streben nach Diversifizierung der internationalen Beziehungen ist ein Kernmotiv vieler BRICS-Staaten. Neumitglieder wie Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate versprechen sich ebenfalls eine stärkere Diversifizierung ihrer Beziehungen, bleiben dem Westen aber weiterhin verbunden. Für viele Mitglieder ist die BRICS-Mitgliedschaft daher weniger ein anti-westliches Bündnis als vielmehr eine pragmatische Strategie zur Reduzierung der einseitigen Abhängigkeit. Dieses Modell der „diversifizierten Abhängigkeit“ macht die geopolitische Landschaft weitaus komplexer, als eine einfache binäre Teilung in „Ost vs. West“ suggerieren würde.

Die ökonomische Macht der Gruppe ist unbestreitbar. Mit der Erweiterung hat die Gruppe ihre Rolle als „Rohstoff-Supermacht“ ausgebaut, die 43 Prozent des weltweiten Erdöls produziert. Diese ökonomische und strategische Bedeutung ist ein entscheidender Hebel für ihre globalen Ambitionen.

Die erste Veranstaltung dieser Reihe widmet sich der Frage, ob die BRICS-Staaten den Takt für die Neuordnung der Welt mit angeben. Denn während die etablierten Bretton-Woods-Institutionen unter Druck geraten, formiert sich mit den BRICS-Staaten ein Schwergewicht, das eine gerechtere Machtverteilung fordert. Doch ist die Gruppe bereit für die geopolitische Verantwortung? Zwischen interner Kohäsion und globalem Gestaltungsanspruch analysieren wir die Chancen und Widersprüche dieses dynamischen Staatenbundes.

Mitwirkende: 

Prof. Dr. Miriam Prys (GIGA-Institut), Dr. Claudia Zilla (Stiftung Wissenschaft und Politik), Dr. Sabine Morky (Universität Hamburg, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik), 

Moderation: 

André Schünke (NDR)

Eine Veranstaltungsreihe der Landeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit dem GIGA-Institut Hamburg.

Location

Zentralbibliothek der Bücherhallen Hühnerposten 1 20097 Hamburg

Hol dir jetzt die Rausgegangen App!

Sei immer up-to-date mit den neuesten Veranstaltungen in Hamburg!