FOTO: © MariekeTrillhaas

Großes Kino DDR

Theater

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Einen historischen Fall - und mutmaßlichen Filmstoff - nimmt das Recherchetheater Vajswerk zum Ausgangspunkt für seine neue Darstellung von DDR-Geschichte. Bereits "Tamara Bunke. Eine Heldin wird gemacht" zeigte die Wechselwirkungen von Biographien und deren Inszenierung und Instrumentalisierung. Die konkrete Geschichte einer Republikflucht wird nun in Großes Kino DDR zur Auseinandersetzung mit zentralen Begriffen von deutscher Teilung und Einheit.

Am 5. Juni 1962 wird der 19jährige Peter Reisch tödlich verwundet, im Harz, beim Versuch von einem Deutschland ins andere zu kommen. Dem Todesschützen – der zuerst ausgezeichnet wurde und dann seinerseits in den Westen floh – wurde ein Jahr später in Stuttgart der Prozess gemacht: Das Urteil gegen Fritz H. wurde zum ersten gegen die sogenannten Mauerschützen. Zu diesen beiden Männern gehört auch eine Frau; ein Brief an sie steckte in der Jackentasche des Republikflüchtlings. In der Heimat fest verwurzelt, geriet sie zwischen die Fronten und lebt heute in Thüringen.

Großes Kino DDR basiert einerseits auf genauer biographischer Recherche – im Archiv, an historischen Orten, in Gesprächen mit Zeitzeug:innen – und anderseits spielt es mit den Erwartungen der Zuschauer:innen: Was ist deren Bild von Fluchtgeschichten; wie betrachten sie die DDR in diesem Blickwinkel; wie wird heute deutsch-deutsche Geschichte erzählt; wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen Ost und West dreißig Jahre nach der deutschen Einheit – oder ganz einfach und plump: Wem der drei glaube ich; wem höre und sehe ich am liebsten zu? – Auch die Schauspieler:innen spielen mit Rollenbildern, steigen mal aus Rollen aus, machen an bestimmten Punkten immer wieder die Recherche sichtbar: zeigen, dass Menschenbilder eben zusammengesetzte, gestaltete sind: Interpretationen von Geschichte. Sowas kann Funken schlagen.

Wir spielen Großes Kino DDR an historischen Orten: in einem ehemaligen Notaufnahmelager, einem ehemaligen Gefängnis, einem ehemaligen Gasthof - wo sich zwei der Protagonisten trafen - und in einem Gerichtsaal des Oberlandesgerichts - wo der Prozess gegen den dritten stattfand.

Und zum Nachhausetragen gibt es auf der Grundlage des Blogs auf https://vajswerk.de/projekte/grosses-kino-ddr/ ein Programmheft.

Die Vorstellungen finden in Erinnerungsstätte Notaufnahme Marienfelde,  Marienfelder Allee 66-80, 12277 Berlin statt. 

Preisinformation:

ermäßigt und normal

Location

Gedenkstätte Berliner Mauer
Bernauer Straße 111
13355 Berlin

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