1985, Istanbul: Nach dem Militärputsch von 1980 hat die Angst die Stadt fest im Griff und die Politik will die Menschen entpolitisieren. Doch eine Gruppe von Studierenden widersetzt sich und gründet die Band Grup Yorum — als Antwort auf Repression und Schweigen, inspiriert vom Widerstand der TAYAD-Bewegung, die gegen Isolationshaft, Folter und für die Freilassung politischer Gefangener kämpft. Ihre musikalischen Wurzeln reichen tief nach Anatolien, zu den Stimmen und Texten verfolgter Dichter und Barden wie Ruhi Su, Mahzuni Şerif und Aşık İhsan. In wechselnden Besetzungen veröffentlicht die Band über 23 Alben und tritt weltweit auf, bis es 2016 zum Auftrittsverbot in der Türkei und 2019 zu einem anschließenden Protest in Istanbul kommt: Die Sängerin Hêlîn Bölek und ihre Mitstreiter*innen setzen ihr Leben in einem Hungerstreik ein, um die Zensur und Verfolgung von Künstler*innen zu beenden. Der Streik endet mit ihrem Tod und ihrer Beerdigung unter Polizeigewalt. Diese Erfahrungen spiegeln sich in der Kunst von Grup Yorum: In Filmen wie TYP-F, den wir direkt vor dem Konzert im Alabama Kino zeigen, und in Liedern, die vom Leben erzählen — von Leid und Hunger, aber auch von Würde, Freude und Hoffnung. Wenn die Bağlama erklingt und dutzende Stimmen gemeinsam singen, entsteht eine Dringlichkeit, die sich nicht verbieten lässt.
Preisinformation:
VVK 20 Euro / AK 23 Euro (50 % erm. mit Festivalkarte)