Corinna Harfouch, Cristin König, Anna Müller u.a. lesen Bekanntes und Unbekanntes von Lothar Trolle – auch aus bisher unveröffentlichten Stücken, Prosa und Lyrik. Der Anlass ist ein zweifacher. Denn zum 80. Geburtstag des Autors erscheinen bei Spector Books die ersten beiden Bände einer Reihe mit Texten von Lothar Trolle: Heimatland und Geschichtsunterricht ‒ mit Nachworten von Barbara Honigmann und dem Herausgeber der Reihe, dem Dramaturgen Jan Hein.
„Ein Bericht aus der Sangerhäuser Zeitung vom 11. August 1933, der auf Trolles Interesse stößt, ist der Auslöser für den titelgebenden Text Heimatland. Darin wird über eine Aktion der SA gegen die Umtriebe einer kommunistischen Widerstandszelle berichtet, bei der 13 Mitglieder der verbotenen KPD aus Tilleda und Kelbra (Tilleda ist ein Ortsteil der Landstadt Kelbra und liegt in der Goldenen Aue), Trolles Heimatgegend also, verhaftet werden und auf Veranlassung des Amtsgerichts in Kelbra in das nahegelegene Konzentrationslager nach Sangerhausen überführt werden. Der Zeitungsartikel berichtet aus der Perspektive der Nationalsozialisten. Trolle legt im Text Heimatland die Sprache des Nationalsozialismus frei, bringt sie als Material in ihrem sozialen Gestus zum Klingen und kontrastiert sie durch andere Sprachen und Klangräume: Er fügt in diesen Text Auszüge aus Gedichten und Liedern einer anderen Zeit ein, montiert Verse aus Der Weise auf dem Lande des Anakreontikers Johann Peter Uz (1720–1796) aus dem Dichterkreis in Halle (Saale), Verse aus Der Spaziergang von Friedrich Schiller, aus Das Dörfchen von Gottfried August Bürger, als Lied vertont durch Franz Schubert (op. 11, No. 1), und führt mit einem Spaziergang durch die Straßen und Plätze der historischen Ortschaften überraschend bis in unsere Gegenwart. Der Text Heimatland bildet gemeinsam mit dem Text Pastorale (nach Platonow) eine thematische Grundierung des gesamten Bandes: Der Nationalsozialismus, der Faschismus, der Widerstand dagegen sind der Hintergrund für viele weitere Texte des Bandes.“Aus dem Nachwort von Jan Hein