An Piano und Stimmbändern zelebriert der gebürtige Hamburger Musiker seit 37 Jahren seine Liebe zu dieser Musik. Dabei geht es Henning Pertiet nicht um Nostalgie oder museale Reproduktion, sondern um das lebendige Weitererzählen einer Musik, die über Generationen hinweg Menschen geprägt hat – emotional, gesellschaftlich und kulturell.
Im Mittelpunkt dieses Abends stehen die prägendsten Stücke – die „Hits“ – aus rund 100 Jahren Blues- und Boogie-Woogie-Geschichte. Henning Pertiet spielt sie nicht nur, sondern ordnet sie ein, erzählt ihre Geschichten, Hintergründe und Zusammenhänge und macht so hörbar, warum diese Musik bis heute wirkt.
„Henning ist einer der führenden Pianisten des Genres weltweit und ein Aushängeschild Deutschlands im Blues-Piano.“
Sagt niemand Geringerer als DER Boogie-Meister schlechthin: Axel Zwingenberger. Dieses Urteil kommt nicht nur aus kollegialer Wertschätzung, sondern aus jahrzehntelanger Kenntnis der internationalen Szene.
Im Jahr 2017 wurde Henning Pertiet mit der höchsten Auszeichnung im deutschen Blues geehrt:
Er gewann den GERMAN BLUES AWARD als Bester deutscher Blues-Pianist. Eine Anerkennung, die seine außergewöhnliche Stellung innerhalb des Genres unterstreicht.
Die Musik – hören, verstehen, erleben
Die Musik von Henning Pertiet entsteht aus Elementen des frühen Blues und des klassischen Boogie Woogie der 1920er bis 1940er Jahre. Diese Musik ist geprägt von rhythmischer Energie, erzählerischer Kraft und einer Direktheit, die bis heute unmittelbar wirkt.
Die Urform dieser Musik entstand in den frühen 1900er Jahren in den USA, wobei sowohl farbige als auch weiße Musiker diese Musik kreierten. (Die erste Jazzaufnahme wurde 1917 tatsächlich von einer weißen Jazzband auf Schellack eingespielt.) Blues und Boogie Woogie waren von Beginn an Ausdruck einer vielschichtigen Gesellschaft und spiegelten Lebensrealitäten, Hoffnungen und Konflikte wider.
Es war eine irrsinnige Zeit voller pulsierenden Lebens – trotz oder gerade wegen wirtschaftlich und gesellschaftlich schwieriger Umstände. Musik war allgegenwärtig und entwickelte sich rasant in immer neue Richtungen. Clubs, Tanzsäle und Radiostationen wurden zu Experimentierfeldern für neue Stile, Rhythmen und Ausdrucksformen.
In den Jahren 1935 bis 1945 war der Boogie Woogie die Popmusik der jungen Amerikaner: eine Musik, die aus Blues- und Swing-Elementen entstand und die damals Musiker nahezu jedes Genres mindestens einen Boogie Woogie „abnötigte“. Selbst Art Tatum oder Erroll Garner nahmen Boogies in ihr Repertoire auf, und auch jede Big Band „musste“ diesen schnellen Blues spielen. Der Boogie Woogie war Motor, Treiber und gemeinsamer Nenner zugleich.
In der Blütezeit des Boogie Woogie waren es Pianisten wie Pete Johnson, Albert Ammons und Meade „Lux“ Lewis, die als herausragende Vertreter des Genres die Messlatte auf ein Niveau legten, das bis heute unerreicht ist. Gemeinsam mit Big Joe Turner, dem Blues-Shouter aus Kansas City, traten sie 1938 auch in der Carnegie Hall auf – ein historischer Moment und der internationale Durchbruch dieser Musik.
Ein besonderer Bestandteil dieses Abends ist, dass Henning Pertiet diese Geschichte nicht nur erzählt, sondern hörbar macht:
Er bringt ein Reisegrammofon mit und spielt Original-Schellackplatten aus jener Zeit vor – etwa „Pinetop’s Boogie“, einen der Urknalle des Genres. So wird unmittelbar erfahrbar, wie diese Musik ursprünglich klang und aus welchem Geist sie entstanden ist.
In Europa – und besonders in Deutschland – konnten Swing und Boogie Woogie zunächst keine Verbreitung finden. Der Zweite Weltkrieg tobte, und im nationalsozialistischen Deutschland galten schwarze Rhythmen als „entartet“. Erst Jahrzehnte später konnte diese Musik hier Fuß fassen. Eine große Blues-Welle erfasste Europa in den 1960er Jahren; Deutschland, Österreich und die Schweiz erlebten sie zu Beginn der 1970er Jahre.
Damals waren es Pianisten wie Axel Zwingenberger, Vince Weber, Georg Möller (alle Hamburg) und Martin Pyrker(Wien), die sich anhand alter Schallplattenaufnahmen daran machten, die Kunst des Blues- und Boogie-Pianos zu erlernen, diese Tradition zu pflegen und nicht zuletzt auch eine eigene musikalische Identität zu entwickeln. Sie schlugen die Brücke zwischen amerikanischem Original und europäischer Handschrift.
Man schaffte es sogar in die nationalen Hitparaden und regelmäßig in das damals noch maßgebliche Abendprogramm des Fernsehens – ein Beweis für die Kraft und Aktualität dieser Musik.
Henning Pertiet gehört damit zur zweiten Generation der heutigen Pianisten dieses Genres. Er hat – für dieses Genre und in heutiger Zeit – eine außergewöhnliche „Karriere“ hingelegt (wenn man in diesem Zusammenhang überhaupt von Karriere sprechen kann):
Er war vier Jahre Pianist der legendären österreichischen Mojo Blues Band, begleitete Größen des Blues wie Abi Wallenstein, Louisiana Red, Keith Dunn, Janice Harrington, Red Holloway u. a. und spielte Hunderte von Konzerten in ganz Europa – mit Freunden und Kollegen wie Gottfried Böttger, Axel Zwingenberger, Vince Weber etc. pp.
In Bremen präsentiert Henning Pertiet ein Programm der größten Hits der letzten 100 Jahre im Blues und Boogie Woogie – ein musikalischer Streifzug durch ein Jahrhundert Bluesgeschichte, erzählt, erklärt, gehört und gespielt, verdichtet auf einen Abend, persönlich interpretiert und mit großer erzählerischer Kraft dargeboten.
Allzu oft werden heute um des Erfolges willen klamaukartige Darbietungen in den Vordergrund gestellt, statt die eigene Persönlichkeit zu nutzen, um Inhalte lebendig werden zu lassen.
Letzteres aber hat Henning Pertiet perfektioniert wie kaum ein Zweiter in der aktuellen weltweiten Szene dieses Genres. Seine Konzerte leben von Authentizität, Tiefe und der unmittelbaren Verbindung zwischen Musiker, Musik und Publikum.
Das verspricht ein einmaliges Konzerterlebnis zu werden.
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