Der in Finnland lebende Artist Researcher Sheung Yiu (*1991, HKG) untersucht in seiner Ausstellung (Inter)faces of Predictions, wie Gesichter über Kulturen hinweg gelesen, gemessen und instrumentalisiert werden. In dieser Desktop Lecture Performance folgt er zwei parallelen epistemischen Strängen: dem alten Deuten von Muttermalen, verwurzelt in der taoistischen Kosmologie, und die moderne Methode der statistischen Erkennung von Gesichtsmerkmalen. Beide beanspruchen, die Wahrheit aus dem Gesicht zu extrahieren, doch jede beruht auf einem anderen Glaubenssystem – spirituelle Weissagung versus algorithmische Schlussfolgerung – und zeigen, wie Bedeutung hergestellt statt entdeckt wird. Yiu greift auf eine visuelle Archäologie des Gesichtslesens zurück, von mesopotamischen Steinschnitzereien bis hin zur ostasiatischen Muttermal‑Tradition, und verknüpft sie mit aktuellen Debatten, etwa Kosinskis Untersuchung, dass Gesichtsdaten die Sexualität oder politische Zugehörigkeit vorhersagen können, sei es spekulativ oder warnend. Die Performance führt die Teilnehmenden in ein rabbit-hole widersprüchlicher Interpretationen. Welches Lesen unseres Gesichts erscheint glaubwürdiger – das Wahrsagern jahrtausendealter Mystiker:innen oder die kalte Kalkulation heutiger KI? Sind sie lediglich verschiedene Erscheinungsformen derselben unbegründeten Vorhersage?
EN
In his exhibition (Inter)faces of Predictions, Finland-based artist researcher Sheung Yiu (b. 1991, HKG) explores how faces have been read, measured and instrumentalized across cultures.
In this Desktop Lecture Performance he follows two parallel epistemic threads: the ancient mole‑reading tradition rooted in Taoist cosmology and the modern facial‑landmark method of statistical learning. Both claim to extract truth from the face, yet each rests on a distinct belief system—spiritual divination versus algorithmic inference—showcasing how meaning is manufactured rather than discovered.
Drawing on a visual archaeology of face‑reading—from Mesopotamian stone carvings to East Asian mole lore—and on contemporary debates such as Kosinski’s exploration that facial data can predict sexuality or political affiliation, whether speculative or cautionary, Yiu invites us into a rabbit‑hole of contradictory interpretations. Which reading of our faces feels more credible—the fortune‑telling of centuries old mystics or the cold calculus of today’s AI? Are they merely different guises of the same baseless prediction?
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