Als identitätsstiftendes Kulturgut wurde das Wissen über die Zubereitung von Lebensmitteln zu Speisen von Generation zu Generation weitergegeben und weiterentwickelt. Nahrung ist ein existenzieller Bestandteil aller sozialer Beziehungen. Dies gilt auch für asymmetrische Machtbeziehungen. Seit den Anfängen der Landwirtschaft haben sich die Ernährungssysteme, Nahrungsmittel und Essenspraktiken ständig weiterentwickelt, wobei jede Veränderung neue Herausforderungen sowie Komplexität mit sich brachte. So zeigt sich dies auch in asymmetrischen Machbeziehungen von Essen im Kolonialismus und tiefsitzenden postkolonialen Strukturen von Essenspraktiken und Nahrungsmitteln. Man vergisst schnell, dass vermeintlich heimische Speisen, wie etwa Kartoffeln, Mais, Paprika und andere Pflanzen, oder scheinbar stets verfügbare Gewürze, wie Pfeffer und Zucker, eine blutige Geschichte geprägt von Ausbeutung, Rassismus und Kolonialismus haben, dessen Auswirkungen sich bis heute in geopolitischen Machtasymmetrien äußern. In einer weiß dominierten Gesellschaft, in der eine weiße Mehrheit die Deutungshoheit über gutes und nicht gutes Essen besitzt, ist Essen für BiPOC oft mit Schmerz verbunden.
In der Ausstellung Kein Schlaraffenland stehen eben diese Zusammenhänge in einem kritischen postkolonialen Blick rund um das Thema Essen im Fokus. Gleichzeitig stellt die Ausstellung auch eine soziale Zusammenkunft dar, in der Essen als Togetherness sowie Essen und Essenspraktiken als subversive Kraft von BIPoC zelebriert und thematisiert werden.
Das Wort Schlaraffenland kommt von dem mittelhochdeutschen Wort sluraff, was so viel wie Faulenzer bedeutet. Es beschreibt häufig einen fernen, utopischen Ort, an dem Essen, Nahrung und Speisen im Überfluss vorhanden sind. Gleichzeitig spiegelt das Wort, das wörtlich mit Das Land der faulen Affen übersetzt werden kann, auch einen westlichen kolonialen sowie menschenverachtenden Blick auf fremde Länder und Kulturen wider, die es aufgrund ihrer "exotischen" und kostbaren Güter ohne jegliche Rücksicht auf Mensch oder Natur zu unterwerfen und auszubeuten gilt.