FOTO: © 2021 / Matthias Horn

Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen!

TAGESTIPP Theater Theater

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Wenn sich Elfriede Jelinek, seit ihren literarischen Anfängen „Herrin der Medien-Gewitter“, in ihrem neuesten Theatertext an das unaufhörliche Gerede über die Pandemie in den Medien heftet, dann kann nur ein Strom schillernder Bedeutungen entstehen. Lärm: das ist der Wortschwall an Nachrichten, Reden, Erklärungen, Gerüchten, Theorien und Verschwörungsmythen, der uns im Zusammenhang mit der Pandemie täglich überschwemmt. Kunst ist, wie Jelinek aus dieser Kakophonie streitender Stimmen ein Netz bemerkenswerter Korrespondenzen spinnt: Beispielsweise ist die Behauptung, allein und einzig Wahrheit und Wirklichkeit zu kennen, ein Anspruch, den alle teilen und der gerade deshalb immer wieder aufs Neue spaltet und sprengt.



Auch Bilderwelten überlagern sich in diesem kalkuliert zwielichtigen Terrain. So überblendet Jelinek eine der berühmtesten Orgien der antiken Literatur, das Gelage bei der Zauberin Kirke, die Odysseus’ Gefährten in Schweine verwandelt, mit der enthemmten, zügellosen Welt der Superspreader von Ischgl, die das Corona-Virus in ganz Europa verbreiteten. Diese Analogie zeigt vielleicht am deutlichsten den unverschämten Witz Elfriede Jelineks, die Schreckensbilder der Pandemie in Amüsement umschlagen lässt, ohne ihre ernsthaften Absichten zu verraten. Denn wie eine schwarze Wolke lässt sie über der Groteske das todbringende Environment einer Natur schweben, die der Mensch unaufhörlich schändet. Umso wahnhafter das allgemeine Gerede über die erdrückenden Folgen dieser Hybris: Im Parforceritt zieht uns Jelinek durch krude Wege politischer Irrungen und Wirrungen, in Höhen und Niederungen mythischen Tiefsinns und realen Schwachsinns, so dass sich letztendlich die Frage stellt: Gehen in dieser apokalyptischen Landschaft der Blinden und Tauben nicht alle Wahrheiten in einem freiwillig-unfreiwilligen Gelächter zu Bruch?



Fotos: Matthias Horn



2G-VORSTELLUNG IM OKTOBER



Die Vorstellung von »Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen!« am 23/10 ist eine 2G-Veranstaltung.

Der Vorstellungsbesuch ist in diesem Fall nur für genesene und vollständig geimpfte Zuschauer*innen möglich. Im Saal können wir damit wieder jeden Platz besetzen, so dass Sie wieder „wie gewohnt“ aus allen verfügbaren Karten frei auswählen können. Weitere 2G-Vorstellungen sind im Spielplan entsprechend gekennzeichnet.



Bitte machen Sie sich vor Ihrem Besuch im SchauSpielHaus mit den folgenden Sicherheitshinweisen und Verhaltensregeln vertraut. Aktuelle Informationen finden Sie [hier]https://www.schauspielhaus.de/de_DE/corona-spielregeln

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