Am Vorabend des 1. Mai wird der Platz vor der Moritzbastei wieder zur Bühne für ein Festival, das Leipzig seit fast drei Jahrzehnten prägt: „Leipzig zeigt Courage" geht 2026 in die 29. Runde – als Open-Air-Konzert für Demokratie, Vielfalt und ein solidarisches Miteinander. Die Schirmherrschaft hat erneut Oberbürgermeister Burkhard Jung übernommen, organisiert wird das Ganze ehrenamtlich vom soziokulturellen Zentrum Anker e.V. und dem Team rund um Sebastian Krumbiegel.
Los geht's um 16:00 Uhr mit dem Markt der Demokratie: Vereine, Initiativen und Projekte aus Leipzig stellen ihre Arbeit vor – ein guter Moment, um vor dem Konzert ins Gespräch zu kommen. Ab 17:30 Uhr startet das Bühnenprogramm, durch den Abend führen Tim Thoelke und André Herrmann. Gegen 22:00 Uhr endet die offizielle Veranstaltung – wer noch nicht genug hat, zieht direkt weiter zur Aftershowparty in der Moritzbastei.
Die Bremer Punkband ist seit ein paar Jahren so etwas wie der Lieblings-Scheiß der deutschsprachigen Indie-Szene. Was 2020 mit dem Selbstverlag-Debüt „8 Hobbies für den sozialen Abstieg" begann, hat sich bis heute zu vier Studioalben ausgewachsen – zuletzt erschien 2025 „20 Jahre Drehorgel". Unter Vertrag sind sie beim KitschKrieg-Label Soulforce Records, 2022 wurden sie beim Preis für Popkultur als „Hoffnungsvollster Newcomer" ausgezeichnet, und ihre Single „Schmetterling" hat inzwischen über fünf Millionen Spotify-Streams. Zwischen rotzigem Punk und überraschend poetischen Momenten verhandeln sie alles vom Helikopter-Eltern-Wahnsinn bis zur Bundeswehr-Kritik – live ist das laut, schnell und eigentlich nie da, wo man es vermutet.
MOLA ist das Münchner Indie-Pop-Projekt rund um Sängerin Isabella Streifeneder und Produzent Markus Sebastian Harbauer. Bekannt wurde die Band 2021 mit „Vino Bianco" – der Italo-Pop-Kollabo mit Roy Bianco & Den Abbrunzati Boys – und dem Debütalbum „Schnee im Sommer". Es folgten der Panikpreis der Udo-Lindenberg-Stiftung, mehrere Nominierungen beim Preis für Popkultur und Festivalauftritte u.a. beim Lollapalooza, Deichbrand und Open Flair. Das dritte Album „Liebe Brutal" erschien im September 2025 und landete auf Platz 90 der deutschen Charts. Zwischen Soul-Balladen, Indierock-Brettern und Italo-Schnulzen liefert Streifeneder Texte, die ehrlich und unprätentiös aus dem Leben einer jungen Frau erzählen – inklusive Songs wie „Mama", die sich offen mit weiblicher Selbstbestimmung auseinandersetzen.
Savvy – bürgerlich Leon Knauer – kommt aus Berlin-Friedrichshain und bewegt sich zwischen Untergrundrap und Newschool-Hiphop mit Pop-Einflüssen. 2019 hat er mit drei Freunden das Label „245 Hoodlove" gegründet und im selben Jahr sein Debütalbum „245" rausgebracht. Eng verbunden ist er mit dem BHZ-Umfeld – tatsächlich hat er einige der ersten BHZ-Musikvideos selbst gedreht, bevor er sich auf seine eigene Musik konzentrierte. Mit den Alben „Keine Angst", „Pass auf dich auf" und zuletzt „Keine Angst, ich pass auf mich auf" (Dezember 2025) hat er seine Album-Trilogie abgeschlossen. Was ihn ausmacht: bildhafte Texte, eine warme Stimme und ein nachdenklicher Zugang zu den Realitäten seiner Generation – fernab von kurzlebigem Hype.
Aus dem Chemnitzer Untergrund, seit 2013 unterwegs: Frontmann Alexey Potiy ist als Jugendlicher aus Omsk in Sibirien nach Chemnitz gekommen und hat dort mit Mitstreitern aus dem Erzgebirge eine Band gegründet, die sich der „Balkandisko" verschrieben hat. Trompete, Saxofon, Drums und eine überdimensionale Bass-Balalaika – dazu Eigenkompositionen mit charmantem Akzent und Cover-Songs zum Mitsingen. Inzwischen sind sie ein Quintett mit vier Studioalben, zuletzt „Oldschool" (2025). Wer Bock auf Ska, Latin, Funk und einen Rhythmus zwischen Osteuropa und Tanzfläche hat, ist hier richtig.
Den traditionellen Newcomer-Slot beim Festival hat die Band Public Transport gewonnen – Indie-Rock aus Leipzig, Berlin & Weimar, hervorgegangen aus dem Newcomer-Contest im ANKER. Sie eröffnen den Abend für die größeren Acts.
„Leipzig zeigt Courage" ist 1997 als Antwort auf rechte Aufmärsche entstanden und seitdem ein fester Termin im Leipziger Frühlingskalender. Das Festival versteht sich als politisches und musikalisches Bekenntnis zu Demokratie, Menschenrechten und einem gewaltlosen Zusammenleben – und nicht als Lifestyle-Event mit Haltungs-Branding. Dass es seit fast 30 Jahren ehrenamtlich läuft und kostenfrei bleibt, ist eine bewusste Entscheidung: Der Zugang soll niedrigschwellig sein, das Programm vielfältig, die Botschaft eindeutig.
Die Moritzbastei liegt zentral am Kurt-Masur-Platz – mit der Straßenbahn bis Wilhelm-Leuschner-Platz oder Augustusplatz, von dort sind's wenige Minuten zu Fuß. Verbindungen findet ihr über die LeipzigMOVE-App oder direkt bei den Leipziger Verkehrsbetrieben.