Arty Farty Gallery und afg Kunstverein stellen einen der bekanntesten deutschen Skateborder, Christoph Wildgrube aka Willow als Künstler aus.
When Lifestyle life styles
Der Skateboard-Lifestyle hat sich tief in die Popkultur eingebrannt. Er steht für Freiheit, Rebellion und eine gewisse Nonchalance, die viele Menschen anspricht. Diese Elemente haben nicht nur die Mode, sondern auch Musik, Kunst und sogar die Sprache beeinflusst. Die Kleidung und Accessoires, die ursprünglich für Skater entworfen wurden, sind heute in der Mainstream-Mode allgegenwärtig. Marken wie Vans, Thrasher und Supreme haben Kultstatus erreicht und sind sowohl auf der Straße als auch in den High-Fashion-Kreisen zu sehen.
Mode als Zugang zum Lebensgefühl
Für diejenigen, die ein wenig Skateboard-Lifestyle in ihr Leben inszenieren möchten, ohne tatsächlich auf dem Brett zu stehen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Mode ist dabei der einfachste und sichtbarste Einstieg. Skateschuhe, Baggy Jeans, Hoodies und Beanies sind nicht nur funktionale Kleidungsstücke für Skater, sondern auch stilistische Statements. Diese Kleidung vermittelt ein Gefühl von Lässigkeit und Zugehörigkeit zur Skater-Community.
Legitimation und Zugehörigkeit
Welche Legitimation benötigt man, um Teil dieses Lifestyles zu sein? Im Grunde genommen keine. Der Kapitalismus hat die Türen geöffnet und ermöglicht es nahezu jedem, ein Stück des Skateboard-Lifestyles zu erleben. Dies gilt sowohl für privilegierte Gruppen als auch für weniger privilegierte, die durch Mode und Kultur Zugang zu diesem Lebensgefühl finden. Das Tragen von Skater-Kleidung und das Adaptieren der Skater- Ästhetik sind heute weitgehend akzeptierte Formen der Selbstexpression, unabhängig davon, ob jemand tatsächlich skaten kann.
Die Essenz des Skateboard-Lifestyles
Letztlich ist der Lifestyle, der mit dem Skaten verbunden ist, mehr als nur der Sport selbst. Es geht um das Gefühl der Freiheit, den kreativen Ausdruck und die Gemeinschaft. Skaten ist zwar ein zentraler Aspekt, aber das Lebensgefühl, das damit einhergeht, ist das Herzstück. Diese Werte können durch Mode, Musik und Kunst vermittelt werden, wodurch sich der Skateboard-Lifestyle in den Alltag vieler Menschen integriert hat.
Für jemanden, der ein wenig Skateboard-Lifestyle in seinem Leben braucht, sind die Optionen vielfältig: von der Kleidung über Musik bis hin zu Kunst. Es ist nicht notwendig, ein Profi-Skater zu sein, um die Essenz dieses Lifestyles zu genießen. Die Hauptsache ist, dass man sich mit den Werten und dem Gefühl des Skateboard-Lifestyles identifizieren kann.
Werkzyklus 2024
Willows Transormationsarbeiten
In Willows Werkzyklus 2024 finden sich beeindruckende Transformationsarbeiten, die tief in die Materialehrlichkeit und den persönlichen Werdegang des Künstlers eintauchen. Eine zentrale Metapher durchzieht diese Arbeiten: Das Skateboard wurde bezwungen, doch nun hat das Board Angst vor den Treppen und zieht sich zusammen. Sinnbildlich bedeutet dies, dass das Board in Ehrfurcht vor dem Material zurückweicht, während der Künstler sich entfalten kann und seine Angst überwindet. Diese Metapher steht für die innere Transformation und den Respekt vor den verwendeten Materialien.
Im Gegensatz zum Brutalismus, bei dem Materialehrlichkeit eine rohe und unverblümte Darstellung bedeutet, zeigt sich hier die Materialehrlichkeit in der Bildsprache, in der sich das Board scheinbar zusammenzieht. Dieses Zusammenziehen führt zu einer Deformation des Boards, doch sein ursprünglicher Charakter bleibt weiterhin erkennbar. Es wird aufgespalten, seine Elemente werden sichtbar und offenbart.
Die Werke vereinen sämtliche Materialien, die den Alltag geprägt haben: Beton, Skateboard, Holz, Schmerz, Respekt vor Spots und Kleidung. All diese Komponenten werden zusammengetragen, um eine tiefere Bedeutungsebene zu schaffen. Diese Sammlung und Transformation der Materialien spiegeln die berufliche und persönliche Entwicklung wider.
Die gezeigten Arbeiten sind ein Destillat aus dem, was 20 Jahre das Leben des Künstlers bestimmt hat. Die Transformation vom Skaten zum Handwerk und schließlich zur Kunst zeigt einen evolutionären Prozess. Skaten war sowohl Beruf als auch Leidenschaft, ein zentraler Lebensinhalt. Durch verschiedene Kurse wurde das Material Holz entdeckt und in ausgebildete Handwerkskunst umgesetzt. Nun beginnt ein Prozess der Kunst und der Transformation, der ein Destillat der jahrelangen Auseinandersetzung mit dem Material und der eigenen Arbeit hervorbringt. Neue Arbeitsprozesse werden entwickelt, um diese Reise zu reflektieren und weiterzuführen. Das Skaten, einst nur Sport und Beruf, hat sich durch die handwerkliche Ausbildung zu einer künstlerischen Praxis entwickelt.
Diese neuen Arbeitsprozesse ermöglichen es dem Künstler, seine Erfahrungen und Wissen in einzigartige Kunstwerke zu transformieren, die sowohl seine Vergangenheit als auch seine zukünftige Entwicklung repräsentieren.