Das sagt der/die Veranstalter:in:
In the name of Love
Wie kann Scham die Seite wechseln? Nach „Fräulein Else” setzt Leonie Böhm die Arbeit daran fort, in einen Dialog und ein anderes Miteinander abseits patriarchaler Gewaltstrukturen zu kommen. Ausgangspunkt ist der Roman von Lucas Rijneveld in dem der Tierarzt Kurt rückblickend schonungslos und selbstreflektiert an ein Mädchen schreibt, mit dem er Jahre zuvor eine missbräuchliche Beziehung eingegangen war. Diese Geschichte wandelt an den Grenzen des Sagbaren. Kurt, damals 49 Jahre alt, versteht es als Liebe, sie ist an der Grenze zum Erwachsenwerden. Der Text ist eine hoch ambivalente Innenschau in eine klaustrophobische Welt und er gibt gleichzeitig der Sehnsucht nach Worten in einer Welt der Sprachlosigkeit und Stille einen Raum.
Die imaginierte Perspektive eines Mannes, der sich gnadenlos mit der eigenen Gewalt auseinandersetzt, wird zum Ausgangspunkt für eine spielerische Untersuchung von zwei Frauen: Sie versetzen sich in die Perspektive des Gewalttäters und versuchen so das unvorstellbare zu verstehen und sich somit auch davon zu befreien. Dabei geht es auch immer darum die Gewalt vor einer Öffentlichkeit besprechbar und sichtbar zu machen. Die Inszenierung geht den Fragen nach, wo Gewalt in einer vollkommen ungleichen und heimlichen Beziehung entsteht und wie wir den Diskurs um Gewalt an weiblichen Körpern mitgestalten und gemeinsam füreinander Verantwortung tragen können.
Regisseurin Leonie Böhm, bekannt für ihre radikale Entkernung klassischer Werke, kehrt an die Münchner Kammerspiele zurück und nimmt diesmal einen zeitgenössischen Text als Ausgangspunkt. In ihrer Arbeit konzentriert sie sich darauf, mit ihren Darsteller* innen einen intimen Raum auf der Bühne zu schaffen, um verschiedene Formen des Zusammenlebens auszuprobieren – radikal offen und verletzlich.
„Das Spektakuläre an „Mein kleines Prachttier“ ist für mich, dass eine Autor*innenperson sich eine Täterperspektive imaginiert, die etwas leistet, was dazu beiträgt, dass die Themen die darin verhandelt werden, den Diskurs und das Nachdenken darüber verändern. Diese Täterperspektive zeigt sich aufs Äußerste, erklärt sich, stellt sich zur Disposition, versucht sich zu versprachlichen, versucht sich zu erkennen, versucht sich verletzlich zu machen. Sich zur Disposition stellen, sich in die Sichtbarkeit zerren mit allem Denken, Fühlen und Handeln – das ist der politische Akt, der in diesem Buch versucht wird und der einerseits fiktional ist und andererseits mein Denken real verändert.“
– Leonie Böhm
Preisinformation:
Do-Sa: 15-45 €, So-Mi: 10-40 €, unter 30 Jahren jede Platzkategorie: 10 €
Location
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