FOTO: © Imina Geilmann

Motor (UA)

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Eine postfaktische Farce von der Frankfurter Hauptschule

 

Wie inszeniert man heute ein Lehrstück? Das Kunstkollektiv Frankfurter Hauptschule, bekannt geworden mit der Aktion Bad Beuys go Africa sowie mit dem Autor:innenpreis des Heidelberger Stückemarkts ausgezeichnet, antwortet in gewohnt humorvoller Hybris mit seinem neuen Stück MOTOR: Indem man sich in eine Reihe mit Bertolt Brecht und Heiner Müller stellt. 

 

Brechts Maßnahme wurde 1930 uraufgeführt, 45 Jahre später folgte die Premiere von Müllers Replik Mauser. Beide Stoffe problematisieren innerlinke Gewalt – einmal vor der Revolution, einmal danach. In einem ähnlichen zeitlichen Abstand reagiert nun das Kollektiv auf beide Lehrstücke und fragt:  Was hat das heute mit uns zu tun? 

Nicht nur die Lehrstücke von Brecht und Müller sind als Tragödien angelegt, auch die Entwicklung der Linken vollzieht sich im Lauf der Zeit von Weimar über das geteilte Deutschland bis heute tragisch, sowohl im fußgängerischen Sinne des Wortes – fatal, als auch im gattungsspezifischen – unschuldig schuldig werdend. Damit wären wir beim Lehrstück der demokratisch-antifaschistischen Zivilgesellschaft heute. Sind wir mitschuldig am Rechtsruck? Was haben wir dagegen getan, dass AfDler:innen seit fünfzehn Jahren durch andere Parteien, Unternehmen und Talkshows als relevante Gesprächspartner:innen geadelt und mit unser aller Steuergeldern hochgepäppelt werden?

 

Die Frankfurter Hauptschule verwischt die künstlerischen Disziplinen abermals und bringt ihr zweites Stück nun selbst zur Uraufführung. Sie unternimmt den Versuch, mit dem von Brecht und Müller entwickelten Instrumentarium zu erklären, wo wir heute stehen. Ein Ordnungsversuch, der auf verschiedenen Wegen die heillose Unordnung, in der wir leben, erfahrbar werden lässt: Postmoderne, eine große Erzählung? Kommunismus, das Schlimmste, was es nicht gibt? Beschleunigung, Wissensgesellschaft, Fake News, Gegenwartskunst, Dschungelcamp, Klimaknall, Selfiesucht, Humans of Late Fascism, Ende?

 

www.staatstheater-kassel.de

Location

TiF - Theater im Fridericianum
TiF - Theater im Fridericianum Karl-Bernhardi-Straße 34117 Kassel
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