Friedrich Nerly ist in der deutsch-italienischen Kunstszene ein Sonderfall. Er ist jünger als die meisten wichtigen Vertreter der Romantik, er kommt später nach Rom, er ist besser ausgebildet, er hat bessere Nerven, eine bessere Gesundheit – und er hat Erfolg, ein langes Leben lang. Denn auch ein langes Leben war bei den deutschen Landschaftsmalern der Zeit eher die Ausnahme.
Dennoch ist Nerly kein Außenseiter, sondern Teil einer romantischen Aussteiger-Bewegung: Junge Maler, die in den vielleicht trübsten Momenten der deutschen Geschichte nach 1815 ihre Heimat verließen, um Italien die Deutsche Kunst neu zu erfinden. Es war eine rückwärtsgewandte Avantgarde. Sie blickten nicht nach vorne, in die Zukunft einer modernen, bürgerlichen, sich rasch industrialisierenden Welt, sondern rückwärts in eine weitgehend imaginäre Vergangenheit des Mittelalters, der Bibel und des Märchens.
Nerly wurde noch getragen von dieser romantischen Bewegung, aber er war schon nicht mehr Teil von ihr. In Venedig sollte er seine großen – auch kommerziellen – Erfolge feiern, aber es war in Rom, wo die Weichen gestellt wurden.
Mit Dr. Golo Maurer, Bibliotheca Hertziana, Rom
In Zusammenarbeit mit dem Italienischen Kulturinstitut Hamburg
Preisinformation:
6 € zzgl. Eintritt