Ganz oder gar nicht! Keine halben Sachen! Das Unmögliche möglich und das Unerhörte hörbar machen! Das ist dem Jazz-Posaunisten Nils Wogram mit seiner CD „Muse“ zusammen mit der Harfenistin Kathrin Pechlof, dem Bratschisten und Obertonsänger Gareth Lubbe und Wograms Langzeit-Weggefährten Hayden Chisholm am Saxofon ganz hervorragend gelungen. Während Wogram in seinen Projekten bislang die Sinnlichkeit des Augenblicks zelebrierte, kommt auf „Muse“ die Sinnlichkeit des Bleibenden zum Tragen. Die unaufgeregte Offenheit für alle Möglichkeiten, die sich aus dem gerade Begonnenen ergeben können, überträgt sich mit großer Intensivität auf die Hörer: Die Musik ist komplex, durch ihre immanente Schönheit und Freundlichkeit bei aller formalen Strenge für den Hörer gleichzeitig enorm entspannend. Klang ist die entscheidende Komponente, jeder Ton zählt. „Muse“ ist von klarer und konsequenter Ästhetik und setzt gerade deshalb starke Emotionen frei.
Die Konstellationen und Transformationen in den Kompositionen von „Muse“ sind so vielfältig wie der Einfall des Lichts zu unterschiedlichen Tageszeiten. Die einzelnen Klänge durchdringen einander mit derartiger Transparenz, dass man nicht sicher sein kann, ist das nun Harfe oder Viola? Wo fangen die Multiphonics auf der Posaune an? Und wo hört Lubbes Obertongesang auf? Chisholms Saxofon zieht sich durch diese Klanglichtspiele wie ein Spirit, der fortwährend zwischen Physis und Ahnung vermittelt. Die Harfe, auf deren Level sich alle anderen Klangquellen einlassen müssen bzw. dürfen, gibt das Timbre vor und saugt den Input von Posaune, Saxofon, Viola und Stimme in ihren tausendundeinen Saiten auf. Dieser geradezu märchenhafte Zusammenklang ist die Grundlage, nicht das Resultat des gemeinsamen Spiels. Tongedichte ohne Text und voller Poesie zeigen vor allem eines: Aller Anfang ist leicht!
Nils Wogram – Posaune
Kathrin Pechlof – Harfe
Gareth Lubbe - Viola, Violine, Obertongesang
Hayden Chisholm – Altsaxophon
Preisinformation:
22 Euro, regulär; 12 Euro, ermäßigt