Paula Pau & Andras Meneses Sousa: PANDORA
Das sagt der/die Veranstalter:in:
Showgirls präsentieren sich bewusst für ein Publikum – glamourös, begehrenswert, kontrolliert. Gleichzeitig entsteht dieses Bild innerhalb gesellschaftlicher Erwartungen und Fantasien darüber, wie Weiblichkeit aussehen soll. Das Showgirl verkörpert die Spannung zwischen der Selbstwahrnehmung durch die Blicke anderer und der bewussten Inszenierung als Objekt der Betrachtung. Die Tanzperformance von Paula Pau und Andras Meneses Sousa verarbeitet diesen ambivalenten Prozess von Selbstobjektivierung anhand der Figur des Showgirls. In PANDORA geht es dabei nicht nur um Fremdbestimmung, sondern auch um die widersprüchliche Möglichkeit, gerade durch diese Inszenierung Macht, Sichtbarkeit und Handlungsspielraum zu gewinnen. Das Showgirl ist nicht nur dem Blick ausgesetzt, sondern tritt selbst in den Kreislauf von Begehren und Projektion ein, der ihr Bild hervorbringt – und bringt ihn ins Wanken. Ausgehend vom griechischen Mythos der Pandora entfaltet das Solo, in dem sich das Publikum gemeinsam mit der Tänzerin durch den Bühnenraum bewegen kann, eine Erzählung, in der Weiblichkeit für den Blick der Anderen konstruiert wird: geschmückt, begehrt und gefürchtet. Die Figur des trans Showgirls, ist geprägt von Paula Paus Kindheitserinnerungen an die Kathoey-Cabaret-Szene in Bangkok. Dort erschien Transfemininität gleichzeitig als Glamour, Spektakel und Disziplin: als sichtbare und gefeierte Präsenz, aber auch als Bild, das durch die Erwartungen anderer geformt wird.
Die Bühne wird zu einer zeitgenössischen Büchse der Pandora: Ein aufgeladener Raum, in dem Begehren, Fantasie und Angst in Bewegung geraten. Inspiriert von thailändischem Cabaret, Showtanz, chinesischer Oper und rituellen Praktiken aus Paula Paus kulturellem Hintergrund folgt das Stück einem Körper zwischen Perfektion und Bruch, Bild und Präsenz – bis die ausgestellte Figur beginnt, zurückzublicken.
Paula Pau und Andras Meneses Sousa entwickeln gemeinsam Performances in der freien Szene in NRW. Ausgehend von ihren unterschiedlichen biografischen Hintergründen in Malaysia und Brasilien beschäftigen sie sich mit Queerness, Migration, Spiritualität und der Frage, wie queere, trans und migrantische Körper auf der Bühne gelesen, projiziert und gesellschaftlich verortet werden. Ihre Zusammenarbeit verbindet persönliche Erfahrung, choreografische Recherche und theatrale Form. Dabei entstehen Werke, die von konkreten Lebensrealitäten ausgehen und Fragen von Sichtbarkeit, Zuschreibung, Begehren, Zugehörigkeit und Machtverhältnissen verhandeln. Ein früher gemeinsamer Ausgangspunkt war Imminent Arrival, das 2021 im Rahmen von Now & Next am tanzhaus nrw gezeigt und anschließend in SPRUNGBRETT <> TANZRECHERCHE NRW weiterentwickelt wurde. Seither haben Paula Pau und Andras Meneses Sousa ihre gemeinsame Praxis in verschiedenen Recherche- und Produktionskontexten fortgeführt, unter anderem im Umfeld von tanzhaus nrw und PACT Zollverein. In diesem Zusammenhang entstand auch Luto em Movimento, eine Tanzarbeit mit lokalen Tänzer*innen, die Andras im Rahmen von Jornada da Dança in Salvador, Brasilien, nach einer Residenz am Teatro Castro Alves und mit Unterstützung von Paula Pau entwickelte. Das Stück beschäftigt sich mit kollektiver Trauer in marginalisierten Communities. Mit PANDORA führen sie diese Zusammenarbeit weiter: Paula steht als Performerin im Zentrum, Andras verantwortet die Regie. PANDORA knüpft daran an und verdichtet ihre gemeinsame Praxis zu einer Arbeit über Projektion, Verkörperung und Publikum.
Dauer: 80 Min.
Sprache: Englisch und Chinesisch mit deutschen und englischen Untertiteln.
Barrierefreiheit
Details zur Barrierefreiheit: Publikumssituation: Die Zuschauer*innen bewegen sich frei im Bühnenraum, in dem keine feste Bestuhlung vorhanden ist. Sitzmöglichkeiten können aus Gründen der Barrierefreiheit kurz vor Beginn der Aufführung beim Abenddienst angemeldet werden und werden dann bereitgestellt.
Sensorische Reize: Laute Musik und Stroboskop.
Location
Angaben zur Barrierefreiheit
Für dieses Event liegen uns keine Infos zur Barrierefreiheit vor.
Alles zum Thema Barrierefreiheit bei Rausgegangen findest du hier.
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