FOTO: © Daniela Zambrano Almidón, Potatoes and Witches, 2025, Biennale für Freiburg, Foto: Marc Doradzillo
Performance von Daniela Zambrano Almidón
Das sagt der/die Veranstalter:in:
Es heißt, dass Feuer verborgene Geschichten sichtbar macht. Was geschieht, wenn Kaffeebohnen dieser Hitze begegnen? Welche Erinnerungen, Klänge und Geschichten kommen dabei zum Vorschein?
In ihrer interdisziplinären Praxis verbindet Daniela Zambrano Almidón künstlerische Forschung mit Fragen von Erinnerung, Dekolonisierungsprozessen und den ökologischen, technologischen und sozialen Verflechtungen des Andenraums. Ausgehend vom Geruch, Geschmack und Klang des Kaffeeröstens entfaltet ihre Lecture- und Soundperformance eine vielschichtige Erzählung über Erinnerung, Wissen und die Weitergabe ebenso wie Loslösung von Traditionen und kulturellen Identitäten.
Geleitet von unserem Geruchssinn und den eigenen Erfahrungen begeben wir uns zusammen mit der Künstlerin auf eine Reise zum Beginn des Kaffeeanbaus in der Region Huánuco in Peru. Sein süßes Aroma kann bisweilen einen bitteren Nachgeschmack tragen. Denn die Geschichte der Pflanze ist hier untrennbar mit Kolonialismus, geopolitischen Machtverhältnissen und zivilisatorischen Projekten verbunden – mit der Ansiedlung österreichisch-deutscher Kolonist*innen, mit extraktivistischen Wirtschaftsformen und mit der Enteignung indigener Gemeinschaften im zentralen Regenwald Perus. So ruft der Duft des frisch gerösteten Kaffees nicht nur Assoziationen mit Genuss und Gemeinschaft hervor, sondern transportiert auch die Geschichte von Vertreibung, Aneignung und Gewalt.
Mit ihrer Performance knüpft Daniela Zambrano Almidón an Fragen an, die Melike Kara in ihrer Ausstellung Whispers im Kunsthaus Hamburg verhandelt: Wie bleiben Erinnerungen bestehen, wenn ihre materiellen Träger verschwinden? Während in der Installation verbrannte Fotografien als Asche in den Raum integriert sind und Kaffeesatz seine auslegende Funktion verliert, folgt die Performance den Erinnerungen, die sich im Klang, Geruch und Geschmack des Kaffees eingeschrieben haben. Beide Arbeiten erforschen so Identität als einen fortwährenden Prozess von Transformation, Weitergabe und Neuaushandlung.