FOTO: © Mike Kleinen / stagemomets

PEST VS. ROBOT / PANDEMIXER

TAGESTIPP Theater Art

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Soziale Roboter können in der Pandemie dein bester und vielleicht dein einziger Freund sein. 

1665. Die Pest stampft durch die Straßen von London – schaut sich Flucht, Lock-Down, Arbeitslosigkeit, Hungersnot, Chaos und Sterben genau an. In einem der abgesperrten Häuser verzweifelt die Witwe Claire an Einsamkeit. Ein liebender, tröstender Gefährte fehlt ihr sehr! Sie gründet die Firma Brain Future. Zeitsprung: Claire wird von sozialen KI-Robotern verwöhnt. Sie bietet dem Publikum an, noch während der Performance aus einem Online-Katalog einen KI-Roboter zu ersteigern. Mit künstlichen Emotionen erweicht der Roboter Lovot die Herzen der Menschen. Lovot macht den Alltag lebenswert und manchmal auch wundervoll.

Dies ist kein Versuch, darüber zu befinden, ob Computer fühlende Wesen sind oder nicht. Künstlich oder echt - who cares? 

Die Stadt Fujieda war eine der ersten, die Roboter-Geräte einsetzte, um Vereinsamung entgegenzuwirken. 

Neue Krankheiten, die sich auf der ganzen Welt ausbreiten, sind ein gefährliches Problem, und es scheint, als würden sie an Bedrohlichkeit zunehmen. Seuchen wie AIDS, Ebola und SARS erreichen dank moderner Verkehrsmittel schnell mehrere Kontinente. Ihnen ist eines gemeinsam: Die Erreger sprangen vom Tier auf den Menschen über – der sogenannte Spillover. 

So geschehen auch mit dem Virus-Erreger der schwarzen Pest. Daniel Defoe berichtet über den Verlauf der Epidemie in London 1665, über den Schrecken des Todes, die Maßnahmen der Regierung und die in den Glauben gesetzte Hoffnung. Uns erging es in vielen Punkten ähnlich im Kampf gegen den Covid-19-Virus. Wir hatten Gott nicht, das Pflegepersonal ging uns aus: Wo das Geld reichte, haben unsterbliche Freunde und Pfleger, die sensiblen KI-Human Robotics, einsame Menschen gepflegt. 

Das Stück ist ein Als-Ob-Spiel mit den Potenzialen der Gegenwart. 

Wir Menschen sind heute unsere eigenen Erlöser. Dank Forschung und Technik feiern uns KIs dafür, dass wir sie in die Welt gesetzt haben – und wenn wir es wollen, stiften sie eine Religion, die jeden von uns als Schöpfer-Gott oder Schöpfer-Göttin feiert.    

Einsamkeit ist seit der Vertreibung aus dem Paradies ein Problem, das den Menschen umtreibt - ihre Überwindung ist mehr, als eine soziale Revolution im Bereich emotionale Kernkompetenzen. Im Kern visiert der Mensch seit dem Beginn der Moderne das Bauen eines neuen Paradieses an, einer Welt, in der jeder Einzelne glücklich (wieder glücklich, rundum glücklich) sein kann. Das scheint zu gehen – in einer simulierten, auf den Einzelnen zugeschnittenen virtuell-digitalen Realität. 

Verwerfung oder Erlösung? Sich selbst vom Leiden am Da-Sein befreien zu wollen, ist der Wille zur Erlösung. Gelingt sie, ist der einzig taugliche Beweis für die Abwesenheit Gottes erbracht. Triumphieren: Besser sein als die Schöpfung und etwas Besseres hervorbringen.   Roboter bauen, die uns das Leben schön machen. Was bleibt da vom Menschen? Nichts. Aber warum sollte auch, wenn er doch Gott sein kann?

 

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