Eine Wiege der technischen Entwicklung und des kommunikativen Fortschritts, ein Medium der Echtzeit-Information aber auch der Propaganda: Das Radio. Das Massenmedium des 20. Jahrhunderts bereitete den Weg für Pop, Techno und Noise und konnte sich noch lange Zeit gegenüber dem Fernsehen behaupten.
„radioPHØNIX“ ist eine Veranstaltungsreihe von Timo Kreuser & PHØNIX16 in Zusammenarbeit mit 24 Radiostationen weltweit. In acht Installationen befassen sie sich mit Phänomen der radiophonen Praxis und beleuchten die sozialen, politischen und kulturellen Auswirkungen des Radios. Jede Ausgabe ist Künstler*innen gewidmet, die mit den Funktionsweisen des Radios experimentierten und so damals wie heute entscheidend zu dessen Weiterentwicklung beigetragen haben. Bei den beiden Aufführungen im Radialsystem am 02. und 03. Dezember stehen die experimentellen Zugänge BEATRÍZ Ferreyras und KARLHEINZ Stockhausens im Fokus.
Als soziotechnischer Begriff beschreibt das Wort Radio gleichzeitig Organisationen (öffentlich-rechtliche oder privatwirtschaftliche Sender) und Techniken (Aufnahme-, Aufzeichnungs-, Produktions-, Sende- und Empfangstechniken). Seine Funktionsweise besteht aus Schall, Mikrofon, Signal, Sender, Wellen, Empfänger, Tuning und Lautsprecher. Die acht Ausgaben der Reihe „radioPHØNIX“ widmen sich anhand der Arbeit bedeutender Radio-Künstler*innen je einer dieser Funktionsweisen: Ivo Malec erfand im Radio expressiven SCHALL, Daphne Oram die SIGNALE, Katalin Ladik SENDETE ihre lautgewaltige Poesie als akustische Performance. Peter Eötvös widmete seinen Experimenten mit WELLEN eine elektronische Chronik, Pauline Oliveros widmete sich der Radiostörung des EMPFÄNGERS, Karlheinz Stockhausen fand im TUNING vokaler Obertöne elektronische Klänge. Aus dem MIKROFONIEREN simpler Geräusche wie Zähneklappern oder Vogelgezwitscher erzeugt Beatríz Ferreyra expressive Klangskulpturen und Marisol Jiménez verschmilzt menschliche und technische Membranen zu einem humanoiden LAUTSPRECHER.
Die acht Ausgabe von „radioPHØNIX“ werden als ‚Public Listenings‘ an verschiedenen Orten in Berlin präsentiert und parallel dazu auf 24 Radiostationen weltweit gesendet. Aus den Stereosignalen der Radiosender entsteht erst durch die Live-Mischung an den Spielorten multikanalige Klangskulptur.