Es ist so gut wie unmöglich, über das bewusst provokante, hyperfeminine Genre Bimbocore zu sprechen, ohne dabei den Namen Scene Queen in den Mund zu nehmen. Denn die US-amerikanische Metal-Sängerin ist die treibende Kraft dieser schillernden Soundwelt, die Metalcore mit Elementen der 2000er-Emo-Kultur sowie einer durchaus ironisch zu interpretierenden Mischung aus Internet-Humor und stereotypisch-femininen Bildern kombiniert.
Schon früh kam Hannah Rose Collins, wie Scene Queen mit bürgerlichem Namen heißt, als Fan mit der Metal- und Hardcore-Szene in Berührung und lernte schnell, dass Frauen in vielen Bereichen des Genres nicht ernst genommen oder gar sexualisiert werden. Sie beschließt, mit ihrer Kunst vom ersten Tag an den Finger in genau diese Wunde zu legen und wird schnell zu einem pinkglitzernden Y2K-Stern am Metal-Himmel – alles, um sich Dinge wie Barbie-Ästhetik und Glitzerglamour von den spöttischen Genrekollegen zurückzuerobern und diese Charakteristika im Umkehrschluss mit Female Empowerment und Stärke zu besetzen. Denn neben dem auffälligen Äußeren sind es vor allem die wortstarken Lyrics, in denen Scene Queen über Feminismus und Selbstermächtigung, aber auch über mentale Gesundheit, Bipolarität und ADHS spricht, die ihre Kunst ausmachen.
2022 führte Scene Queen, die zuvor bereits unter einem anderen Namen musikalisch tätig war, mit ihrer Debüt-EP „Bimbocore“ ihren markanten Genrebegriff erstmals ein und landete mit Tracks wie „Pink Panther“ oder „Pink Rover“ gleich internationale und virale Erfolge. Sie gilt heute als eine der wichtigsten Vertreterinnen der TikTok-Generation des Metal- und Emo-Genres und gewann nur ein Jahr nach Veröffentlichung der Debüt-EP den Heavy Music Award in der Kategorie „Best International Breakthrough Artist“. Im Jahr 2024 erschien dann mit „Hot Singles In Your Area“ das erste Album der Künstlerin, das sich um die Idee dreht, die eigene Sexualität zu entdecken und zurückzuerobern. Das alles geschieht trotz ernster Inhalte immer mit einer humorvollen, bissigen Note, die schnell klarmacht, dass man sich vom Barbie-haften Äußeren von Scene Queen besser nicht täuschen lassen sollte.
Die Live-Shows der Künstlerin sind ähnlich überdreht und vielschichtig wie die Kunst an sich. Die Konzerte sind irgendwo zwischen Party, Comedy- und Metalcore-Shows anzusiedeln und ziehen in der Regel vor allem ein queeres und weibliches Publikum an. Neben Auftritten beim Hurricane und Southside Festival ist Scene Queen im Juni hierzulande auch bei drei Clubshows live zu erleben.