Als „Unvollendete“ ging Franz Schuberts 1822 entstan- dene h-Moll-Sinfonie in die Musikgeschichte ein. Warum Schubert die Arbeit nach nur zwei vollendeten Sätzen abbrach, ist bis heute ein Rätsel – doch gerade diese Fragmenthaftigkeit hat dem Werk einen einzigartigen Platz im Kanon der Sinfonik beschert. Das geheimnis- volle Schweben des Anfangs, das Drängen ins Tragische und die lyrischen Momente der Ruhe haben bereits bei der posthumen Uraufführung 1865 in Wien das Publikum zutiefst berührt und verdeutlichen, dass die beiden Sätze ein geschlossenes Werk von höchster Expressivität bilden. Wie Schubert verband auch Gustav Mahler volks- liedhafte Schlichtheit mit größter Sinfonik sowie innige Melancholie mit expressiven Ausbrüchen. In seiner 1888 vollendeten „Totenfeier“, dem späteren Kopfsatz seiner „Auferstehungssinfonie“, findet Schuberts Fragment eine monumentale Fortführung. Aus dem Dunkel erhebt sich ein gewaltiger Trauergesang, in dem sich Ver- zweiflung und Hoffnung unversöhnlich begegnen. Was bei Schubert abbricht, treibt Mahler mit existenzieller Wucht weiter. Franz Liszts „Orpheus“ öffnet schließlich eine andere Sphäre: hier kämpft die Musik nicht mehr, sondern harmoniert. Inspiriert von der mythischen Gestalt des antiken Sängers, dessen Melodie den Tod besänftigt und Leid in Schönheit verwandelt, entfaltet Liszt in seiner 1854 komponierten sinfonischen Dichtung einen schimmernden Klangbogen voller Ruhe, Schönheit und Verklärung.
So fügen sich die drei Werke auch zu einer imaginierten Vollendung der „Unvollendeten“: Schuberts Werk findet in Mahlers „Totenfeier“ seine dramatische Weiterfüh- rung und in Liszts „Orpheus“ seine poetische Vollendung – Musik, die Tod, Leid und Verzweiflung in Trost, Trans- zendenz und Klangpoesie verwandelt.
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