Lili Boulanger
D’un matin de printemps
César Franck
Le Chasseur maudit
Camille Saint-Saëns
Symphonie Nr. 3 c-Moll op. 78 »Orgelsymphonie«
Endzeitstimmung. Ein periodisch auftretender Gedanke, der gerade wieder viel en vogue ist. Und es ist keine 120 Jahre her, da wurde eine ganze Epoche so benannt: Fin de siècle. Nicht nur das Ende des Jahrhunderts, auch das Ende der Kunst, Natur, Zivilisation, ja sogar der Welt.
Unser musikalischer Ausflug in die dritte Republik Frankreichs mit dem Titel „Fin de Siécle“ ist alles andere als Untergang. Er ist Aufbruch.
Es beginnt mit einer Morgenstimmung, ursprünglich ein Stück für Violine und Klavier von Lili Boulanger und von ihr selbst für Orchester arrangiert: d’un matin de printemps. Der Morgen bei ihr ist flirrend, Sonnenstrahlen brechen durch das farbenfrohe Orchester. Kein verpennter Montagmorgen ohne Kaffee, keine Morgenstimmung à la Grieg. Ein Sonntagmorgen mit Frische.
Die Jagd fällt im Anschluss nicht schwer, César Francks Le Chausser maudit ist eine verspielte und bewegte Vertonung einer Jagderzählung im Stile der romantiesierenden Naturvorstellung inklusive kleiner Gruselpassagen. Die Musik ist wagnerisch beladen und
klingt im Gegensatz zu Boulanger nicht impressiontistisch elegant französisch, sondern orientiert sich an Operntonsprache und dramatischem Ausdruck.
In der zweiten Hälfte des Konzerts erweitern wir unser Orchester um die Königin der Instrumente: die Orgel. Camille Saint-Saens schrieb seine sogenannte „Orgelsinfonie“ zur gleichen Zeit wie sein bekanntestes Werk, den Karneval der Tiere, und ab und zu zitiert er sich selbst, denn nebst Orgel kommt auch Klavier vierhändig hinzu. Allerdings nehmen diese
für Orchester ungewöhnlichen Instrumente keine konzertante Solorollen ein, nein, sie integrieren sich in den Orchesterklang und sind ein vollwertiges Ensemblemitglied. Die Klangfarben sind sogar teilweise so ineinander verwoben und gekonnt „versteckt“, dass sie zwar nicht unbemerkt, aber zunächst dezent das Klangspekturm erweitern.
Am Ende der Zeit steht ein schmissiges und kurzweiliges Programm.
Junges Ensemble Berlin | Sinfonieorchester
Michael Riedel | Dirigent
Marco Heise | Orgel
27/22€ | 21/16€ | 15/10€