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Standard Deviation x Remote Control pres. “RIDNE” | Diana Azzuz & Nazanin Noori | Katarina Gryvul & Alex Guevara

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Das sagt der/die Veranstalter:in:

Auch nach beinahe einem Jahr seit Beginn des brutalen russischen Angriffskrieges auf die Ukraine, nach Monaten der Proteste im Iran und einem Jahrzehnt Bürgerkrieg in Syrien bleiben für viele Menschen in Deutschland und im westlichen Europa der Krieg, aber auch die systematische Unterdrückung von persönlichen Freiheiten weithin abstrakte Begriffe, die ein persönliches Engagement nur schwer ermöglichen. Gemeinsam mit den Initiativen Rybachka und Standard Deviation x Remote Control und mit Unterstützung des Projektes Goethe-Institut im Exil zeigt das CTM Festival ein Abendprogramm, welches dazu auffordert, sich die Erfahrungen und Realitäten von Menschen zu vergegenwärtigen, die sich an verschiedenen Orten der Welt gegen Krieg und staatliche Unterdrückung zur Wehr setzen müssen. Im ersten Teil des Abends versetzen Standard Deviation x Remote Control das Publikum direkt in die Ukraine. Ihr gemeinsames Projekt “RIDNE” (Рідне, Ukrainisch für “einheimisch”) umfasst eine Reihe von Videos, die in den vergangenen Wochen an verschiedenen Orten in der Ukraine aufgenommenen wurden. Die aus der Ich-Perspektive gedrehten Videos wurden von Musiker*innen vertont, die eng mit dem im jeweiligen Video gezeigten Ort verbunden sind. Sei es, weil es sich um die eigene Heimatstadt handelt, um einen persönlichen Ort des Trostes oder es um einen Ort geht, der symbolisch für die eigene Kriegserfahrung steht. In Kyjiw zum Beispiel spaziert tofudj durch die gespenstische Dunkelheit einer Stadt, die durch den russischen Bombenterror in den Blackout gezwungen wurde. Diana Azzuz wiederum vertont Szenen aus dem polnischen Grenzgebiet, die sie an die Erlebnisse ihrer eigenen Flucht erinnern.Die zweite Hälfte des Abends gehört der Initiative Rybachka von Borshch-Magazin-Herausgeberin Mariana Berezovska. Der Titel “Rybachka” (Рибачка, Ukrainisch für “die Frau des Fischers”) ist dem gleichnamigen Gedicht von Lina Kostenko entlehnt, einer der bedeutendsten Dichterinnen der Ukraine. Darin findet sie einen eindringlichen Ausdruck für den Zustand des Ausharren-Müssens in anhaltender Ungewissheit, zwischen Angst und Hoffen, wie ihn Menschen in Kriegs-, Krisen- und Fluchtsituation immer wieder aushalten müssen. Mit Rybachka will Mariana Berezovska Künstler*innen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenbringen, um gemeinsam den Schmerz zu dekonstruieren, das Bewusstsein für die weniger offensichtlichen Folgen von Krieg und Konflikt zu schärfen und mit künstlerischen Mitteln nach Wegen der Heilung zu suchen. In einem ersten Schritt in diesem längerfristig angelegten Projekt sind zwei audiovisuelle Performances entstanden, die in transkultureller Kooperation traumatische Erfahrungen zu entschlüsseln suchen und die Willenskraft von Menschen würdigen wollen, die in der Ukraine, Syrien, im Iran und anderswo Zerstörungen, Gewalt, Vertreibung oder Exil aufgrund von Krieg und Unterdrückung ertragen müssen. Die ukrainische Musikerin Katarina Gryvul arbeitet mit dem peruanischen Multimediakünstler Alex Guevara zusammen, während die syrisch-ukrainische Künstlerin Diana Azzuz ihre visuelle Arbeit mit der Musik der iranischen Musikerin und Künstlerin Nazanin Noori verbindet. In diesen Paarungen überwinden die Künstler*innen Angst und Schock und stellen neue Verbindungen zwischen unterschiedlichen Erfahrungen, Kräften und Orten her. Gemeinsam schaffen diese beiden Initiativen ein Portal zu den subjektiven Gefühlszuständen, Perspektiven und Beziehungen von Menschen, deren Stimmen in den Nachrichten und militärischen Analysen selten zu hören sind. Der Abend wird gestaltet und präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Projekt Goethe-Institut im Exil, das Begegnungsorte, Schutzräume und Bühnen für Kulturschaffende stellen möchte, die in ihrem Heimatland nicht mehr arbeiten können. Es möchte Räume für Widerspruch, Dialog und interkulturellen Austausch für Künstler*innen und Intellektuelle aus Ländern, in denen das Goethe-Institut und andere internationale Kulturinstitutionen aufgrund von Kriegen oder Zensur ihre Standorte schließen mussten, aufrechterhalten.

Location

HAU - Hebbel am Ufer
Stresemannstr. 29
10963 Berlin

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